Was ist die Zinsstrukturkurve und welche Formen gibt es?

Wir schauen uns die Zinsstrukturkurve (auch: Zinskurve oder Zinsertragskurve) mit ihren verschiedenen Formen genauer an und untersuchen, wie sie Anlegern helfen kann.

Quelle: Bloomberg

Was ist eine Zinsstrukturkurve?

Die Zinsstrukturkurve ist die grafische Darstellung der Zinsdifferenz zwischen kurz- und langfristigen US-Staatsanleihen, die als „Treasuries“ bezeichnet werden.

Tatsächlich haben alle Länder eine Zinsstrukturkurve für ihre Anleihemärkte. Diese stellt zu einem bestimmten Zeitpunkt die Zinssätze für Anleihen dar, die hinsichtlich ihrer Kreditkonditionen gleich sind, allerdings eine unterschiedliche Laufzeit haben. Aufgrund der Bedeutung der Vereinigten Staaten für die Weltwirtschaft wird jedoch der amerikanischen Zinsstrukturkurve die größte Aufmerksamkeit beigemessen.

Die Zinsstrukturkurve stellt die Einstellung der Investoren gegenüber Risiken grafisch dar. Angenommen, die Anleihen in der Grafik sind hinsichtlich ihrer Konditionen und Fälligkeitsdaten (d.h. wann sie ablaufen) gleich, so lässt sich an der Zinsstrukturkurve erkennen, wie die Anleger über die zukünftige Entwicklung einer Volkswirtschaft denken.

Wie kann eine Zinsstrukturkurve Anlegern helfen?

Am häufigsten wird die US-Treasury-Zinsstrukturkurve herangezogen, da sie als Indikator für die Risikobereitschaft der Anleger weltweit gilt. Wenn Anleger zuversichtlich hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung einer Volkswirtschaft sind, besteht bei Ihnen eine höhere Bereitschaft, in risikoreichere Vermögenswerte wie Aktien und Rohstoffe zu investieren. Dementsprechend neigen sie weniger dazu, langfristige Anleihen zu halten, die im Vergleich zu anderen Anlagen niedrigere Kapitalerträge und Renditen bieten. Sie verkaufen daher ihre Anleihebestände, was dazu führt, dass die Renditen steigen (Anleihepreise und Renditen bewegen sich gegensätzlich).

Die verschiedenen Formen der Zinsstrukturkurve

Nach ihrer Konzeption soll die Zinsstrukturkurve einen Indikator für zukünftige Änderungen der Zinssätze und für die Entwicklung des Wirtschaftswachstums bieten. Es gibt drei Formen der Zinsstrukturkurve:

  1. Normale Zinsstrukturkurve – Anleihen mit längeren Laufzeiten haben höhere Zinssätze als solche mit kürzeren Laufzeiten, da die Risiken, die mit dem Halten von Anleihen über längere Zeit assoziiert werden (wie z.B. Inflation), verlangen, dass der erzielte Gewinn (die „Rendite“) höher ausfällt. Anleihenanleger signalisieren, dass sie von einem stabilen Wirtschaftswachstum ohne größere Unterbrechungen ausgehen, und sind daher bereit, sich auf langfristige Anlagen einzulassen.
  2. Inverse (fallende) Zinsstrukturkurve – Kurzfristige Anlagen haben höhere Renditen als langfristige, da Anleger über den Ausblick für die nähere Zukunft besorgt sind und sie daher einen höheren Gewinn von ihren Anlagen erwarten. Geringere Zinssätze bedeuten meist ein schlechteres Wirtschaftswachstum und somit kann eine inverse Zinsstrukturkurve ein Anzeichen dafür sein, dass ein Konjunkturrückgang (Rezession) bevorsteht.
  3. Flache Zinsstrukturkurve – Sowohl kurz- als auch langfristige Renditen liegen auf einem ähnlichen Niveau. Dies deutet auf eine Übergangsphase der Wirtschaft hin, entweder von Wachstum zu einer Rezession oder von einer Rezession zu einem Wachstum. Im ersten Fall bedeutet dies, dass kurzfristige Renditen steigen und langfristige Renditen fallen, während im zweiten Fall genau das Gegenteil eintritt.

Was signalisieren Zinsstrukturkurven?

Zinskurven werden meist dann herangezogen, wenn es um die US-Wirtschaft und den US-amerikanischen Anleihemarkt geht, da es sich bei diesem um den größten der Welt handelt und seine Entwicklung normalerweise richtungsweisend für die anderen Anleihemärkte ist. Eine sich abflachende US-Zinsstrukturkurve deutet an, dass die Anleiheanleger pessimistischer hinsichtlich des zukünftigen Wachstums geworden sind.

Die St. Louis Federal Reserve stellt einen Graph der zehnjährigen Treasury-Renditen zur Verfügung, abzüglich der zweijährigen Treasury-Renditen. Dieser zeigt, wann sich die Kurve umkehrt und unter die Nulllinie fällt.

Im Vorfeld aller US-amerikanischen Rezessionen der vergangenen 40 Jahre gab es eine inverse Zinsstrukturkurve. Sie ist daher als nützlicher Indikator für derartige Entwicklungen anzusehen. Dabei ist es wichtig zu bemerken, dass die inverse Zinsstrukturkurve mindestens ein Jahr vor der Rezession auftritt und es sich daher eher um ein Warnsignal handelt, das bei einer Inversion vorwarnt, anstatt gleich roten Alarm zu geben.

Die Inversion der Zinsstrukturkurve ist normalerweise der Auslöser für ein hohes Maß an Aufregung bei Marktberichterstattern und Nachrichtensendern, da sie nach allgemeiner Auffassung auf eine unmittelbar bevorstehende Rezession und/oder eine Baisse (oder vielleicht sogar beide) hindeutet.

Tatsächlich zeigen die Daten etwa eine 6,6 prozentige Zunahme des Medians des S&P 500 während der Abflachung der Zinsstrukturkurve. Daher ist Vorsicht geboten, eine inverse Zinsstrukturkurve als Vorboten des wirtschaftlichen Untergangs anzusehen.

Wie sich die Zinsstrukturkurve verhält

Neben den drei Formen der Zinsstrukturkurve gibt es vier verschiedene Regeln zu ihrem Verlauf:

  1. Bear Steepening – Zinssätze steigen und die Zinsstrukturkurve ist steiler
  2. Bear Flattening – Zinssätze steigen und die Zinsstrukturkurve hat sich abgeflacht
  3. Bull Steepening – Zinssätze fallen und die Zinsstrukturkurve ist steiler
  4. Bull Flattening – Zinssätze fallen und die Zinsstrukturkurve hat sich abgeflacht

Untersuchungen von Blackrock zeigen, dass ein Bear Steepening das beste Umfeld für Aktien bietet, mit einer Gesamtrendite von 10,9 % für den S&P 500 in einem Durchschnittszeitraum von sechs Monaten. Dies liegt an den steigenden Zinssätzen und an dem Glauben an ein stärkeres Wachstum bei einer gleich bleibenden Inflationsrate. Im Gegensatz dazu ist ein Bull Steepener besonders schlecht, da die Federal Reserve (Fed) die Geldpolitik lockert und die Anleger um das Wachstum besorgt sind. Die durchschnittliche Sechsmonatsrendite für den S&P 500 liegt bei -5,5 %, wobei die meisten Branchen schwächer sind und nur diejenigen, die als risikofrei („risk-off“) angesehen werden (wie z.B. Konsum- und Versorgungsgüter), in diesem Zeitraum eine positive durchschnittliche Sechsmonatsrendite erzielen.

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Die Zinsstrukturkurve ist eine praktische Methode, um die Risikobereitschaft der Anleger und die Sichtweise des Anleihemarktes auf das Wirtschaftswachstum zu beurteilen. Sie ist kein genauer Indikator dafür, ob sich ein Bullenmarkt fortsetzen oder in einen Bärenmarkt verwandeln wird. Insgesamt bietet sie jedoch einen guten Ausgangspunkt für diejenigen, die beurteilen wollen, ob eine weiteres Wirtschaftswachstum wahrscheinlich ist.

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