Masterclass
Geopolitische Spannungen im Nahen Osten treiben den Ölpreis stark nach oben und sorgen für extreme Schwankungen an den Energiemärkten. Während Risiken rund um die Straße von Hormus den Markt kurzfristig dominieren, signalisiert der Terminmarkt bereits wieder fallende Preise. Welche Rolle Volatilität, Futures-Strukturen und Energieaktien jetzt spielen.
Geopolitische Risiken treiben den Ölpreis: Konflikte im Nahen Osten sorgen für hohe Risikoprämien.
Straße von Hormus im Fokus: Rund 20 % des weltweiten Öltransports passieren diese strategische Meerenge.
Terminmarkt signalisiert Entspannung: Futures-Preise deuten mittelfristig auf niedrigere Ölpreise hin.
Hier kannst du die komplette Masterclass zum Ölmarkt, zur Volatilität sowie zu Handelsstrategien rund um WTI, Brent und Energieaktien ansehen.
Ein entscheidender geopolitischer Risikofaktor für den Ölmarkt ist die Straße von Hormus. Die nur etwa 33 Kilometer breite Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Rohöl weltweit.
Schätzungen zufolge passieren rund ein Fünftel des globalen Ölhandels diese Route. Bereits kleinere Störungen können daher erhebliche Auswirkungen auf die weltweiten Energiemärkte haben.
Neben der Straße von Hormus existieren weitere strategisch wichtige Engstellen im Welthandel:
Suezkanal
Bab-al-Mandab-Straße zwischen Afrika und Arabischer Halbinsel
Panamakanal
Blockaden oder militärische Spannungen an diesen Punkten können Lieferketten unterbrechen und kurzfristige Preissprünge auslösen.
Ein Blick auf den Terminmarkt liefert wichtige Hinweise auf die Erwartungen der Marktteilnehmer.
Derzeit zeigt sich eine sogenannte Backwardation-Struktur. Dabei notieren kurzfristige Futures-Kontrakte über den Preisen späterer Liefermonate.
Das bedeutet:
kurzfristige Preise sind hoch
langfristige Preise liegen deutlich niedriger
Diese Struktur deutet darauf hin, dass Händler davon ausgehen, dass die aktuellen Preisspitzen vor allem durch geopolitische Risiken verursacht werden.
Sollten sich diese Risiken wieder reduzieren, könnte der Ölpreis mittelfristig deutlich zurückgehen.
Ein weiteres wichtiges Signal liefert der OVX, der Volatilitätsindex für den Ölmarkt.
Ähnlich wie der bekannte Volatilitätsindex für Aktien misst dieser Indikator die erwartete Schwankungsbreite der Ölpreise.
Historisch traten starke Ausschläge im OVX vor allem in Krisenzeiten auf:
während der Corona-Pandemie 2020
beim Beginn des Ukrainekriegs 2022
bei geopolitischen Spannungen im Nahen Osten
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass der Ölmarkt derzeit wieder stark von Unsicherheit geprägt ist.
Wie Trader mit steigender Volatilität umgehen können, erklären wir auch ausführlich in unserer Masterclass zu Volatilitätsindikatoren.
Neben dem Ölpreis selbst rückt auch der Unterschied zwischen den beiden wichtigsten Rohölsorten in den Fokus:
WTI (West Texas Intermediate)– Referenzöl für den US-Markt
Brent – Referenzöl für Europa und den globalen Handel
Traditionell notiert Brent etwas höher als WTI, meist im Bereich von etwa 2 bis 3 US-Dollar pro Barrel.
In Phasen erhöhter Unsicherheit kann sich dieser Spread jedoch deutlich ausweiten.
Einige Trader nutzen genau diese Abweichungen für sogenannte Spread-Trades. Dabei wird beispielsweise Brent verkauft und gleichzeitig WTI gekauft, um von einer späteren Normalisierung der Preisrelation zu profitieren.
Die Entwicklung des Ölpreises wirkt sich auch direkt auf den Aktienmarkt aus. Besonders Unternehmen aus dem Energie- und Ölsektor profitieren von steigenden Preisen.
Viele große Energiekonzerne erreichen ihre Gewinnschwelle bereits bei deutlich niedrigeren Ölpreisen.
Bei internationalen Ölkonzernen liegt der Break-even-Preis häufig im Bereich von etwa 35 bis 40 US-Dollar pro Barrel. Einige Produzenten können sogar bei noch niedrigeren Preisen profitabel arbeiten.
Das bedeutet: Selbst bei einem deutlichen Rückgang der Ölpreise bleiben viele Energieunternehmen weiterhin klar profitabel.
Einen Überblick über die wichtigsten Förderländer und Konzerne bietet auch unser Hintergrundartikel über die größten Ölproduzenten der Welt.
| Unternehmen | Breakeven WTI (USD/Barrel) |
|---|---|
| Shell | 35–38 |
| BP | 34–37 |
| Equinor | 31–35 |
| ENI | 40–42 |
| Repsol | 35–37 |
| Galp Energia | 34–36 |
| Neste | 34–39 |
| Tenaris | 45–55 |
| Aker BP | 35–40 |
Quelle: Henke/Refinitv
Für die weitere Entwicklung des Ölmarktes wird entscheidend sein, wie sich die geopolitische Lage entwickelt.
Sollten sich die Spannungen im Nahen Osten entspannen und wichtige Transportwege offen bleiben, könnte sich die Risikoprämie im Ölpreis wieder reduzieren.
In diesem Szenario wäre ein Rückgang in Richtung 70 bis 80 US-Dollar pro Barrel durchaus möglich.
Sollte es hingegen zu einer Eskalation oder gar zu Blockaden wichtiger Transportwege kommen, könnten die Preise erneut deutlich steigen.
Der Ölmarkt bleibt damit vorerst ein Markt, der stark von politischen Entwicklungen geprägt ist. Während die fundamentalen Daten eher für eine stabile Versorgung sprechen, bestimmen derzeit vor allem geopolitische Risiken die kurzfristige Preisentwicklung.