Quartalszahlen 2025 - Q4
Amazon steht vor den Q4-Zahlen an einer charttechnisch entscheidenden Zone. Earnings, Saisonalität und Optionsmarkt deuten auf eine erhöhte Volatilität und eine bevorstehende Richtungsentscheidung hin.
Amazon handelt seit November in einer breiten Range – die Earnings entscheiden über Ausbruch oder Rücksetzer
Starke Unterstützungszone bei 221–222 US-Dollar, Widerstand klar bei 256 US-Dollar
Saisonalität ab März statistisch deutlich positiv, aber nur bei technischer Bestätigung relevant
Charttechnisch befindet sich Amazon aktuell mitten in einer mehrmonatigen Seitwärtsphase. Nach dem starken Anstieg im vergangenen Jahr hat sich seit Januar eine potenzielle Doppeltop-Struktur am oberen TMA-Band ausgebildet. Das deutet weniger auf eine Trendwende als vielmehr auf eine gesunde Abkühlung innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends hin.
Der zentrale Widerstandsbereich liegt weiterhin bei rund 256 US-Dollar. Auf der Unterseite rückt dagegen zunehmend die Zone um 221 bis 222 US-Dollar in den Fokus. Dort treffen mehrere technisch relevante Faktoren zusammen: das Dezember-Tief, der steigende 200-Tage-Durchschnitt sowie das untere TMA-Band. Diese Zone fungiert damit als zentrale Entscheidungsmarke für die kommenden Wochen.
Aktuell notiert die Aktie vorbörslich um 232 US-Dollar und damit genau in der Mitte der übergeordneten Range. Solange der Bereich um 230 US-Dollar nicht nachhaltig unterschritten wird, bleibt das technische Bild konstruktiv. Der RSI notiert weiterhin oberhalb der vielbeachteten 48,5-Marke und signalisiert, dass das Momentum bislang nicht in eine ausgeprägte Schwächephase übergegangen ist.
Ein klarer Bruch unter 221 US-Dollar würde das Bild allerdings eintrüben und Raum für eine Ausdehnung der Korrektur in Richtung 211 US-Dollar eröffnen, dem Verlaufstief aus dem Oktober.
Ein Blick auf die langfristige Saisonalität liefert zusätzlichen Kontext. Über die vergangenen 28 Jahre zeigt sich für Amazon im Zeitraum vom 2. März bis 28. April eine ausgeprägte positive Tendenz. Die durchschnittliche Rendite liegt in diesem Fenster bei rund 12,2 Prozent, während die durchschnittlichen Gewinne deutlich größer ausfallen als die Verluste.
Besonders auffällig ist das Chance-Risiko-Verhältnis: Während der maximale historische Gewinn in diesem Zeitraum bei über 60 Prozent lag, blieb der maximale Drawdown mit rund 17,6 Prozent vergleichsweise moderat. Statistisch spricht das für eine robuste Phase, die häufig von institutionellen Zuflüssen begleitet wird.
Gleichzeitig gilt: Saisonalität ist kein Selbstläufer. Im vergangenen Jahr fiel Amazon in genau diesem Zeitraum um rund 8,5 Prozent. Entscheidend bleibt daher die Kombination aus saisonalem Rückenwind und technischer Bestätigung im Chart.
Der Optionsmarkt preist für die Q4-Zahlen eine erwartete Bewegung von rund plus/minus 8,6 Prozent ein, was einer Spanne von etwa 20 US-Dollar entspricht. Damit würde die Aktie rein statistisch nach den Zahlen entweder in Richtung der oberen Range-Grenzen oder direkt in den Bereich der markanten Unterstützungszone laufen.
Gerade vor dem Hintergrund der aktuell engen Marktstruktur ist das ein klares Signal: Die Earnings dürften als Katalysator für den nächsten Impuls dienen.
Der Blick auf die Wall Street zeigt ein deutlich positives Stimmungsbild. Von 37 Analysten lautet der Konsens klar „Strong Buy“. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei rund 298 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von gut 28 Prozent entspricht. Die Spanne der Schätzungen reicht dabei von 230 US-Dollar auf der Unterseite bis 340 US-Dollar auf der Oberseite.
Für den Markt bedeutet das: Ein Großteil der positiven Erwartungen ist bereits bekannt, aber noch nicht vollständig eingepreist. Enttäuschungen könnten daher kurzfristig stärker abgestraft werden, während positive Überraschungen vor allem dann wirken, wenn sie mit einem technischen Ausbruch kombiniert werden.
Amazon steht vor einer klassischen Richtungsentscheidung. Der übergeordnete Trend ist weiterhin positiv, die aktuelle Konsolidierung wirkt konstruktiv und nicht distributiv. Die Kombination aus enger Range, klar definierten Schlüsselzonen, erhöhter Earnings-Volatilität und einer statistisch starken Phase ab März macht die Aktie hochrelevant für aktive Anleger.
Entscheidend ist jedoch die Reaktion nach den Zahlen. Erst sie wird zeigen, ob Amazon bereit ist für den nächsten Trendimpuls – oder ob der Markt zunächst noch einmal tiefer Luft holen muss.