Europäische Zentralbank-Tagung

Ihr Leitfaden bezüglich der Bekanntmachungen des EZB-Rates – einschließlich der Gründe, warum diese für Händler wichtig sind und wie die europäische Wirtschaft dadurch beeinflusst wird.

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Wann findet die kommende EZB-Sitzung und der EZB-Zinsentscheid statt?

Die geldpolitische Sitzung des EZB-Rates findet alle sechs Wochen statt. Der Rat tagt das nächste Mal am Donnerstag, den 06. Juni 2019.

Die Entscheidungen des Rates werden immer am Tag der Sitzung um 13:45 Uhr MEZ in Form einer Pressemitteilung bekannt gegeben, gefolgt von einer EZB-Pressekonferenz um 14:30 Uhr MEZ.

Den vollständigen Kalender der Sitzungen des EZB-Rates einsehen

Der EZB-Rat ist für die Festlegung der Geldpolitik zuständig, damit eine Inflationsrate von knapp unter 2 % im gesamten Euroraum erreicht wird. Die EZB-Ratssitzungen gehören zu den wichtigen Terminen im Kalender der Händler, da dabei die offiziellen Zinssätze für die Eurozone festlegt werden.

Die nationalen Zentralbanken (NZBen) im Eurosystem werden durch die EZB dazu verpflichtet, deren Zinssätze für Transaktionen mit Geschäftsbanken zu verwenden. Die drei Leitzinsen sind:

  • Der Mindestbietungssatz: der Zinssatz für einwöchige Kredite
  • Der Einlagensatz: der Zinssatz für Einlagen bei nationalen Zentralbanken
  • Der Spitzenrefinanzierungssatz: der Tagesgeld-Zinssatz

Zusätzlich zur Festlegung dieser Sätze kann der EZB-Rat bei Bedarf auch die Quantitative Lockerung (kurz: QE, aus dem Englischen von „Quantitative Easing“; eine geldpolitische Maßnahme in Form von Ankäufe von Vermögenswerten) anwenden. QE beinhaltet die direkte Zuführung von Geldern in die Wirtschaft mit dem Ziel, die Ausgaben zu erhöhen.

Diese Maßnahmen haben einen starken Einfluss auf die von Geschäftsbanken und anderen Kreditgebern festgelegten Zinssätze und beeinflussen indirekt die Ausgaben und die Inflation in der gesamten Eurozone.

Natürlich sind Händler und Investoren besonders besorgt über die Auswirkungen der EZB-Politik bezüglich der Nachfrage nach Aktien, Anleihen, Währungen und anderen Wertpapieren, welche sie veranlassen könnten, ihre Strategie zu ändern. Vor jeder Sitzung versuchen viele Trader, die Richtung der Geldpolitik vorherzusagen.

Warum ist die EZB-Geldpolitik besonders wichtig für Trader?

Händler versuchen, sich ein genaues Bild davon zu machen, wie die zukünftige Geldpolitik aussehen könnte. Mit richtigen Prognosen können Trader ihre Portfolios vor jeder Ankündigung optimieren, so dass ihre Gewinne maximiert und Verluste begrenzt werden.

Händler erwarten, dass Zinserhöhungen zu sogenannten Ripple-Effekten führen, wodurch der Wert ihrer Aktien, Anleihen und anderen Wertpapieren verringert, jedoch der Wert des Euro im Vergleich zu anderen Währungen erhöht wird. Hingegen sollen niedrigere Zinssätze oder die Umsetzung der Quantitativen Lockerung den gegenteiligen Effekt bewirken.

Trader werden sich daher die Zusammensetzung des EZB-Rates, die Verteilung der Stimmrechte zwischen den Ländern und allgemeinere Wirtschaftsfaktoren wie unter anderem den Brexit ansehen, um Prognosen abzugeben, wie die EZB abstimmen könnte.

Märkte zu beobachten

Die Kurse unterliegen den Website AGB. Alle Aktienkurse sind mindestens 15 Minuten zeitverzögert.

Was sind die wichtigsten EZB-Leitzins-Entscheidungen?

In erster Linie versucht der EZB-Rat, die Inflation zu kontrollieren, indem er die europäischen Leitzinsen anpasst, einschließlich des Mindestbietungssatzes, des Einlagensatzes und des Spitzenrefinanzierungssatzes.

  1. Mindestbietungssatz

    Der Mindestbietungssatz ist der Zinssatz, den die nationalen Zentralbanken (NZBen) im Eurosystem für einwöchige Kredite verlangen müssen. Dieser wird oft als Hauptrefinanzierungssatz bezeichnet.

    Für Geschäftsbanken ist er der niedrigste Zinssatz, zu dem sie Kapital aufnehmen können, der ebenso als Basiszinssatz für die Eurozone dient. Er hat einen starken Einfluss auf die Zinssätze, den die Geschäftsbanken bei Unternehmen und Verbrauchern anwenden. Dies wird sich auf die Höhe der Ausgaben, der Kreditaufnahme und des Sparbetrages innerhalb der Wirtschaft auswirken.

  2. Der Einlagen(zins)satz

    Der Einlagensatz ist die Verzinsung von Übernachtanlagen, mit welchen nationale Zentralbanken im Eurosystem kurzfristig Geld bei der Europäischen Zentralbank anlegen können. Bei einer Zinserhöhung erhalten die Geschäftsbanken eine bessere Rendite auf das bei den NZBen hinterlegte Geld. Bei gleichbleibenden Bedingungen sollen die Geschäftsbanken dazu angeregt werden, mehr Geld bei den nationalen Zentralbanken einzuzahlen und weniger Tagesdarlehen an andere Geschäftsbanken innerhalb des Systems zu vergeben.

    Das Gegenteil bewahrheitet sich, falls der Zins abschwächt – Banken erhalten eine geringere Rendite auf das bei den nationalen Zentralbanken eingezahlte Geld, was sie wiederum anregt, weniger Geld einzuzahlen und mehr Tagesdarlehen zu vergeben. Daher ist der Einlagensatz eine weitere Möglichkeit, wie die Geldmenge innerhalb der Wirtschaft durch den EZB-Rat beeinflusst werden kann.

  3. Der Spitzenrefinanzierungssatz

    Der Spitzenrefinanzierungssatz ist der Zinssatz, den die NZBen den Geschäftsbanken für Tagesdarlehen berechnen müssen. Dabei handelt es sich um Kredite, die von Banken verwendet werden, um ihre Tages-Mindestreserveanforderungen zu erfüllen. Des Weiteren muss sichergestellt werden, dass ausreichend Bargeld zur Verfügen steht, damit die Bedürfnisse der Kunden abgedeckt werden können.

    Die EZB setzt diesen Zinssatz über dem Mindestbietungssatz fest, um die Banken zu bestrafen, die Notgelder zur Erfüllung ihrer Mindestreserveanforderungen aufnehmen. Je größer der Abstand bzw. Korridor zwischen dem Spitzenrefinanzierungssatz und dem Einlagensatz ist, desto höher ist die Strafe. Daher beeinflusst dieser Korridor, wie konservativ die Banken mit ihrem Kapital umgehen und mit welcher Bereitschaft sie Kredite an Geschäfts- und Privatkunden vergeben. Dies wiederum beeinflusst die Ausgaben innerhalb der Wirtschaft.

Was steckt hinter dem Asset Purchase Programme der EZB?

Im Rahmen des Asset Purchase Programme (kurz: APP; ein Wertpapierkaufprogramme) oder der Quantitativen Lockerung der EZB, produziert und gibt die Bank neues Geld aus, um die Liquidität an den Märkten zu erhöhen. Es wurde eingeführt, als der EZB-Rat nach der Finanzkriese 2008 eine Reihe von Sondermaßnahmen zur Bewältigung der Krise einführte.

Der EZB-Rat bezeichnet die Quantitative Lockerung als sein Wertpapierkaufprogramm und verwendet sie in erster Linie zum Kauf von Unternehmensanleihen und Anleihen des öffentlichen Sektors. Neben der direkten Geldzufuhr in die Wirtschaft erhöhen Investitionen in diese Vermögenswerte nicht nur die Preise und senken die Renditen, sondern ermutigen die Anleger auch, ihre Renditen anderorts zu suchen. Dies führt zu einem Geldschöpfungsmultiplikator-Effekt, der die Ausgaben innerhalb der gesamten Wirtschaft erhöhen sollte.

Terminplan der EZB-Sitzungen

Der EZB-Rat versammelt sich zweimal im Monat in Frankfurt am Main. Es finden zwei Arten von Sitzungen statt: eine alle sechs Wochen stattfindende geldpolitische Sitzung und eine Sitzung über nicht monetäre Beschlüsse, bei der weitere Aufgaben der EZB diskutiert werden.

An folgenden Tagen finden 2019 die Sitzungen statt:

EZB-Sitzungen 2019

Geldpolitische Sitzung und Bekanntmachung Sitzung bezüglich nicht monetärer Beschlüsse
24. Januar 9. Januar
- 6. Februar
20. Februar
7. März 20. März
10. April -
- 8. Mai
22. Mai
6. Juni* 26. Juni
25. Juli 10 Juli
- 7. August
12. September 25. September
24. Oktober 9. Oktober
- 6. November
20. November
12. Dezember 4. Dezember

*findet nicht in Frankfurt am Main statt

Wer sind die zentralen Figuren im EZB-Rat?

Es stehen 21 Stimmrechte unter den 25 Vertretern im EZB-Rat zur Verfügung. Alle sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums erhalten je Sitzung ein Stimmrecht und die restlichen 15 Stimmen werden zwischen zwei Gruppen aufgeteilt:

  • Gruppe 1: In dieser Gruppe sind die fünf Länder mit den größten Volkswirtschaften vertreten.Unter diesen fünf Ländern haben auf monatlicher Basis nur vier Länder ein Stimmrecht
  • Gruppe 2: Dieser Gruppe gehören die restlichen 14 Länder an. Sie teilen sich 11 Stimmrechte, welche monatlich zwischen den Ländern neu verteilt werden.

Analysten versuchen, die Mitglieder des EZB-Rats als monetäre Falken oder Tauben zu klassifizieren, um das Ergebnis einer Abstimmung vorhersagen zu können.

Die Mitglieder des EZB-Rates 2019

EZB-Direktorium

Name Titel Monetäre Aussicht1
Mario Draghi Präsident der EZB Taube
Vítor Constâncio Vizepräsident der EZB Taube
Benoît Cœuré Mitglied des EZB-Direktoriums Neutral
Sabine Lautenschläger Mitglied des EZB-Direktoriums Falke
Yves Mersch Mitglied des EZB-Direktoriums Falke
Peter Praet Mitglied des EZB-Direktoriums Taube

Direktoren der nationalen Zentralbanken – Gruppe 1

Name Titel Monetäre Aussicht1
Jens Weidmann Präsident der Deutschen Bundesbank Falke
François Villeroy de Galhau Direktor der Bank von Frankreich (Banque de France) Taube
Ignazio Visco Direktor der Bank von Italien (Banca d'Itali) Taube
Luis María Linde Direktor der Bank von Spanien (Banco de España) Taube
Klaas Knot Präsident, Die Niederländische Bank (De Nederlandsche Bank) Falke

Direktoren der nationalen Zentralbanken – Gruppe 2

Name Titel Monetäre Aussicht2
Jan Smets Direktor der Belgischen Nationalbank (Nationale Bank van België) Neutral
Ardo Hansson Direktor der Bank von Estland (Eesti Pank) Neutral
Philip R. Lane Direktor der Zentralbank von Irland Neutral
Yannis Stournaras Direktor der Bank von Griechenland (Τράπεζα της Ελλάδος) Taube
Chrystalla Georghadji Direktorin der Zentralbank von Zypern Taube
Ilmārs Rimšēvičs Direktor der Bank von Lettland (Latvijas Banka) Neutral
Vitas Vasiliauskas Vorstandsvorsitzender der Bank von Litauen (Lietuvos bankas) Neutral
Gaston Reinesch Direktor der Zentralbank von Luxemburg (Banque centrale du Luxembourg) Neutral
Mario Vella Direktor der Zentralbank von Malta Neutral
Ewald Nowotny Direktor der Österreichischen Nationalbank Neutral
Carlos Costa Direktor der Bank von Portugal (Banco de Portugal) Taube
Boštjan Jazbec Direktor der Bank von Slowenien (Banka Slovenije) Neutral
Jozef Makúch Direktor der Slowakischen Nationalbank (Národná banka Slovenska) Neutral
Erkki Liikanen Direktor der Bank von Finnland Neutral

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Was ist die Tagung des EZB-Rates zur Geldpolitik?

Das Ziel der EZB-Ratstagung zur Geldpolitik ist, die Leitzinsen und andere politische Maßnahmen festzulegen, um die Preisstabilität im gesamten Euroraum zu gewährleisten. Die Wahrung der Preisstabilität ist gemäß dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union das primäre Anliegen der EZB und dementsprechend zählen die Sitzungen zur Geldpolitik zu den wichtigsten EZB-Ereignissen.

Der EZB-Rat definiert Preisstabilität als einen Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) innerhalb des Euro-Währungsgebietes um weniger als 2 % gegenüber dem Vorjahr. Der Rat strebt mittelfristig eine Inflationsrate nahe, jedoch unter, 2 % an.

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1 Für Forex basierend auf der Anzahl der primären Beziehungen zu FX-Händlern (Investment Trends UK Leveraged Trading Report vom Juli 2019).
2 In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zu berücksichtigen, dass die Ansichten der Mitglieder nicht festgelegt sind und sich wahrscheinlich im Laufe der Zeit aufgrund der Wirtschaft- und der Inflationsratenziele des Rates ändern werden. Die obenstehende Tabelle verdeutlicht die Einstellung der Mitglieder zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Einschätzung (20. Oktober 2017).

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