IG Wochenvorschau
Geopolitische Spannungen dominieren zum Wochenauftakt das Marktgeschehen. Der DAX startet schwächer, während Ölpreise deutlich anziehen und Kapital in sichere Häfen wie Gold und den Schweizer Franken fließt. Noch keine Panik – aber die Volatilität nimmt zu.
Öl mit Aufwärtslücke: WTI legt kräftig zu – die Straße von Hormus bleibt der zentrale Risikofaktor für Angebot und Inflation.
Defensive Rotation: Gold, US-Dollar und Schweizer Franken gefragt – Aktienmärkte unter Druck.
DAX technisch sensibel: Gap-Start unter Vortagsspanne erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Trendfortsetzung, entscheidend ist die Initial Balance.
Der stärkste Impuls kommt vom Ölmarkt. WTI legte im Wochenendhandel deutlich zu, im Wochenchart deutet sich eine Aufwärtslücke mit Breakout-Charakter an. Entscheidend ist weniger die reine Charttechnik – sondern das geopolitische Nadelöhr: die Straße von Hormus.
Sollte es hier zu Störungen kommen, drohen Angebotsengpässe bei Rohöl und LNG. Die Folgen wären klar:
steigende Energiepreise
höhere Inflationserwartungen
zunehmender Druck auf Notenbanken
Das könnte Zinssenkungsfantasien dämpfen und die Volatilität an den Aktienmärkten weiter erhöhen.
Steigende Ölpreise spielen Energiekonzernen in die Karten. Shell plc rückt technisch in Richtung einer oberen Range-Begrenzung. Hält die geopolitische Spannung an, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs.
Auf der Gegenseite geraten Airlines unter Druck. Deutsche Lufthansa AG kämpft gleich mit zwei Belastungsfaktoren: gesperrte Lufträume und steigende Kerosinkosten.
Auch Rüstungswerte stehen erneut im Fokus. In geopolitischen Krisenphasen fließt Kapital regelmäßig in entsprechende Titel – unabhängig von politischen Bewertungen. Der Markt preist Auftragslage und Budgeterhöhungen.
Gold wird gleich aus zwei Gründen gesucht:
Sicherheitsargument (Flucht in sichere Häfen)
Inflationsargument über steigende Energiepreise
Sollten Öl und Gas die Teuerung erneut anheizen, könnte das die Aussicht auf schnelle Zinssenkungen bremsen – ein Umfeld, in dem Gold häufig relative Stärke zeigt.
Goldminen reagieren in Trendphasen oft überproportional. Beispielhaft steht Newmont Mining Corp im Fokus, wo sich die Struktur in Richtung einer oberen Korrekturbegrenzung entwickelt.
Auch am Devisenmarkt zeigt sich das klassische Muster. Der US-Dollar-Index zieht an, der Schweizer Franken wertet als Sicherheitswährung auf. Besonders relevant bleibt EUR/CHF, da eine starke Franken-Aufwertung für die Schweizer Wirtschaft problematisch werden kann.
Die Schweizerische Nationalbank dürfte die Entwicklung genau beobachten – inklusive möglicher Interventionen bei übermäßiger Stärke des Franken.
Für den DAX ist die Struktur zum Wochenstart entscheidend:
Eröffnung unterhalb der Vortagsspanne signalisiert Schwäche
Große Gaps erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Trendfortsetzung
Wichtig bleiben Overnight-Range, Overnight-Tief als Trigger und die Initial Balance
Wird die Schwäche in der ersten Handelsstunde bestätigt, steigt die Wahrscheinlichkeit für Momentum in Richtung Süden. Gleichzeitig gilt: Nachrichtengetriebene Märkte erfordern sauberes Risiko-Management.
Noch ist keine Kapitulation zu erkennen – die Kursabschläge wirken moderat. Doch der steigende VIX signalisiert zunehmende Nervosität.