Was beeinflusst den Ölpreis?

Der Ölpreis wird weitgehend durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmt. Wir betrachten sieben der für dieses Verhältnis entscheidenden Faktoren und wie sie sich auf die Entwicklung des Ölpreises auswirken.

Öl ist ein Rohstoff mit hoher Nachfrage. Da ein Großteil der globalen Industrie von Öl abhängig ist, gilt es als eine der wertvollsten Ressourcen. Gleichzeitig zählt es jedoch durch seine Anfälligkeit für geopolitische Ereignisse auch zu den volatilsten Rohstoffen.

Vor dem Hintergrund, dass viele der größten Ölvorkommen der Welt in Ländern mit instabilen Verhältnissen liegen – hauptsächlich im Nahen Osten, in Afrika und in Teilen von Südamerika – ist ersichtlich, weshalb der Ölpreis ständigen Schwankungen ausgesetzt ist.

Um die Ölpreisentwicklung zu verstehen, gilt es, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nachzuvollziehen. Der Ölpreis steigt gleichzeitig mit der Nachfrage (vorausgesetzt, das Angebot bleib konstant) und fällt mit einem erhöhten Angebot (angenommen, die Nachfrage bleibt unverändert). Lassen Sie uns im Folgenden unter Berücksichtigung dieses Verhältnisses die wichtigsten Faktoren betrachten, die sich auf das Angebot an Öl und dessen Nachfrage auswirken.

Angebotsfaktoren, die die Ölpreise beeinflussen

OPEC

Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder, von englisch „Organization of the Petroleum Exporting Countries“) ist ein Kartell aus vierzehn Erdöl exportierenden Ländern. „Kartell“ bedeutet in diesem Fall, dass sich die OPEC-Länder zusammengeschlossen haben, um den Ölpreis durch ihre Kontrolle des Angebots zu regulieren.

Der Zusammenschluss der Staaten in der OPEC ist zustande gekommen, da Öl zwar eine endliche Ressource ist, viele Länder aber Zugang zu ihren eigenen Ölfeldern und Produktionsmitteln haben. Angesichts dieser Situation wurde die OPEC ins Leben gerufen, um einem durch den Wettbewerb unter den Exporteuren hervorgerufenen Preisverfall entgegen zu wirken, der andernfalls zu einer raschen Erschöpfung der Ölreserven dieser Länder geführt hätte. Daher wurde die OPEC mit dem Ziel gegründet, die Ölförderungsquoten zu regulieren und dadurch sicherzustellen, dass die Mitglieder einen guten Preis für ihr Öl erhalten, auch wenn dies kurzfristig betrachtet bedeutet, weniger zu produzieren. Im Jahr 2018 einigten sich die OPEC-Staaten darauf, 39 Millionen Barrel Rohöl pro Tag zu produzieren – mehr als ein Drittel der täglichen Rohölproduktion weltweit.

Die OPEC hatte früher einen erheblichen Einfluss auf den Ölpreis und das Angebot. Dieser Einfluss ließ sich beispielsweise 1973 beobachten, als sich im Zuge der sogenannten „Ölkrise“ die Rohölpreise weltweit nahezu vervierfachten, da die OPEC das Angebot auf eine bestimmte Anzahl von Ländern beschränkte. Kürzlich warnte die OPEC jedoch, dass sich der Ölmarkt auf einen Überschuss zubewegen könnte, der aus der stärker werdenden amerikanischen Fracking-Industrie resultiere. Der Ausbau der Fracking-Industrie hat dazu geführt, dass der Einfluss der OPEC innerhalb des letzten Jahrzehnts zurückgegangen ist.

OPEC-Mitgliedsländer und ihre Beitrittsjahre

Land Beitrittsjahr
Saudi-Arabien 1960
Iran 1960
Irak 1960
Venezuela 1960
Kuwait 1960
Libyen 1962
Vereinigte Arabische Emirate 1967
Algerien 1969
Nigeria 1971
Ecuador 1973
Gabun 1975
Angola 2007
Äquatorialguinea 2017
Republik Kongo 2018

Russland kooperiert momentan (als Nicht-Mitgliedsland) mit der OPEC. Es hat innerhalb der letzten Jahre mehrfach zugestimmt, seine Ölförderung zu verringern. Dies geschah zuletzt im Dezember 2018, als Russland seine Fördermenge um 228.000 Barrel pro Tag heruntersetzte.

Ölproduzenten außerhalb der OPEC

Außerhalb der OPEC sind die weltweit größten Ölförderer die USA, Kanada und China. Die USA ist als einzelner Ölproduzent mit einer Fördermenge von 13 Millionen Barrel am Tag im Jahr 2017 weltweit führend.

Dagegen produzieren die in der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, von englisch „Organisation for Economic Co-operation and Development“) zusammengeschlossenen Länder ca. 24 Millionen Barrel am Tag. Alles in allem produzieren die nicht-OPEC-Staaten gemeinsam ungefähr 53 Millionen Barrel Rohöl am Tag.

Quelle: BP, 2017

Exogene Schocks

Ereignisse wie Naturkatastrophen, Kriege und geopolitische Instabilität, die sich aus wirtschaftlicher Perspektive nicht erklären lassen und die nicht kontrolliert werden können, wirken sich oft auf den Ölpreis aus. Als beispielsweise im Jahr 2005 Hurricane Katrina die Ostküste der Vereinigten Staaten verwüstete, wurden essentielle Öl-Versorgungslinien beschädigt, was zu einer Ölkrise in den USA führte. Dies zeigte sich besonders darin, dass zwischen dem 29. August und dem 5. September 2005 die Treibstoffpreise in Teilen des Landes um mehr als einen halben US-Dollar stiegen.

Die Medien, die durch Berichte über ein Versiegen der Ölversorgung die Bevölkerung verunsicherten, verschärften die Situation weiter. Besorgte US-Amerikaner standen Schlange an den Tankstellen, um ihre Tanks zu füllen. Die Ölknappheit war derart schwerwiegend, dass US-Präsident George W. Bush in einem Versuch, weitere Sprünge der Treibstoffpreise zu verhindern, rund 113 Millionen Liter Treibstoff aus den strategischen Reserven der USA zur Verfügung stellte.

Quelle: US Energy Information Administration, 2005

Nachfragefaktoren, die die Ölpreise beeinflussen

Globale Wirtschaftsleistung

Die Nachfrage auf dem Ölmarkt wird hauptsächlich durch die USA, Europa und China bestimmt. Zusammengenommen verbrauchen diese drei Länder ca. 45 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Ihre Wirtschaftsstärke – und ihre globale Wirtschaftsleistung – kann daher den Ölpreis signifikant beeinflussen.

Die Finanzkrise im Jahr 2008 resultierte beispielsweise in einer Verlangsamung der Industrie, was im Gegenzug die Ölnachfrage zurückgehen ließ. Ohne einen ähnlichen Einbruch in der Versorgung gab der Preis für Brent-Rohöl in einem Zeitraum von fünf Monaten um über 100 US-Dollar nach.

Quelle: BP, 2017

Allerdings erholt sich die Industrie oft wieder und mit ihr der Ölpreis. So stiegen beispielsweise die Ölpreise nur drei Jahre nach der Krise von 2008 wieder auf über 100 US-Dollar pro Barrel. Ab diesem Zeitpunkt blieben die Ölpreise bis August 2014 konstant über 85 US-Dollar. Momentan liegt der globale Rohölverbrauch bei ca. 98 Millionen Barrel pro Tag. Einige Analysten bezweifeln, ob die Ölnachfrage in den kommenden Jahren so hoch bleiben wird, was zum Teil auf die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien zurückzuführen ist.

Alternative Energiequellen

Das wachsende Bewusstsein für die Vorteile erneuerbarer Energien wie etwa Solarstrom und Windenergie könnte dazu führen, dass die Abhängigkeit der Welt von Öl nachlässt. Elektroautos tragen ebenfalls zu diesem Trend bei, genauso wie die Bemühungen der Regierungen verschiedener Staaten, die Fertigung neuer benzin- und dieselverbrauchender Autos in Zukunft zu verbieten.

Angenommen, die Ölversorgung bleibt auf ihrem derzeit hohen Niveau, könnten dadurch die Preise fallen. Allerdings ist es im Falle einer sinkenden Nachfrage auch wahrscheinlich, dass die OPEC und andere der globalen Ölproduzenten ihr Angebot verringern, um die Preise auf einem gewinnbringenden Niveau zu halten.

Quelle: Statista, 2016

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch des Kontinents bis zum Jahr 2020 auf zwanzig Prozent zu erhöhen. Staaten wie etwa Dänemark wollen sogar bis 2050 komplett auf fossile Brennstoffe verzichten.

Auf dem Ölmarkt sollten Händler diese Entwicklungen und die steigende Beliebtheit alternativer Energiequellen im Auge behalten, um sicherzustellen, dass sie ihre Trades an die Trends der Industrie anpassen.

Stärke des US-Dollar

Im Zuge der Bretton-Woods-Konferenz im Jahre 1944 wurde der US-Dollar an den Goldpreis gekoppelt und alle anderen Währungen an den Dollar. Daraus resultierend wurde der Dollar zur globalen Leitwährung und der Kauf und Verkauf von Öl wurde in US-Dollar vorgenommen. Obwohl die USA den Goldstandard 1971 abgeschafft haben, wird Öl weiterhin in US-Dollar gehandelt.

So hat der Wert des Dollar nach wie vor einen großen Einfluss auf den Ölpreis. Daher wird der Ölpreis im Fall, dass der Dollar stärker wird, tendenziell sinken – zumindest nominal – vorausgesetzt, alle anderen Preisfaktoren bleiben konstant.

Im Gegenzug dazu hat der Ölpreis bei einem schwachen Dollar die Tendenz, zu steigen.

Marktspekulation

Die Ölpreise werden auf den Futures-Märkten festgelegt, was bedeutet, dass Marktspekulationen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse den Ölpreis beeinflussen könnten. Würde in China beispielsweise entschieden, weitere Atomkraftwerke zu bauen, könnte die Nachfrage nach Öl erheblich zurückgehen.

Wächst die globale Fracking-Industrie dagegen, könnte das Angebot an Öl weiter steigen und dies zu vermehrten Spekulationen auf dem Ölmarkt führen. Da allerdings weltweit einige Staaten, darunter Frankreich, Deutschland und Irland Fracking verboten haben, ist der Ausbau und die Weiterentwicklung dieser Industrie als alternative Ölquelle ungewiss.

Wie kann Öl gehandelt werden?

Zu verstehen, wie Öl gehandelt wird, verlangt von Händlern, jeden der hier besprochenen Faktoren zu berücksichtigen. Wenn Sie also Interesse am Spekulieren auf Ölpreise haben, sollten Sie Faktoren wie etwa die OPEC-Konferenzen und Nachrichten über mögliche Einbrüche der weltweiten Ölversorgung im Auge behalten. Dazu zählen auch Gesetzesänderungen, die die Fracking-Industrie betreffen, oder sich positiv auf den Sektor der erneuerbaren Energien auswirken.

Denken Sie daran, dass der Ölmarkt einer der wohl volatilsten Märkte der Welt ist. Der Ölpreis hängt stark von politischen Entwicklungen und den Entscheidungen der Weltmarktführer und Regierungen ab. Dies ist zu einer Zeit, in der die Zukunft der Ölindustrie so ungewiss ist, stärker denn je von Bedeutung.


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