IG Wochenvorschau
Der Ölpreis springt über 100 US-Dollar, der Volatilitätsindex VIX steigt deutlich und schwache Konjunkturdaten setzen den DAX unter Druck. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten sorgen aktuell für steigende Nervosität an den Finanzmärkten.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Ölpreis über 100 Dollar: Geopolitische Spannungen treiben den Ölpreis zeitweise auf über 112 US-Dollar.
VIX steigt über 25 Punkte: Die Nervosität an den Aktienmärkten nimmt spürbar zu.
DAX unter Druck: Schwache deutsche Konjunkturdaten und geopolitische Risiken belasten den deutschen Leitindex.
Die internationalen Finanzmärkte stehen aktuell unter erheblichem Druck. Auslöser ist vor allem die zunehmende geopolitische Eskalation im Nahen Osten.
Besonders im Fokus steht dabei der Konflikt rund um den Iran. Angriffe auf Energieinfrastruktur sowie Drohungen gegen weitere Ölanlagen in der Region haben die Märkte alarmiert.
Der Ölpreis reagierte unmittelbar mit massiven Kursbewegungen. Zwischenzeitlich stieg der Preis für ein Barrel auf über 112 US-Dollar und verzeichnete damit den größten Tagesanstieg seit Jahrzehnten.
Solche sprunghaften Bewegungen verdeutlichen, wie sensibel der Energiemarkt auf geopolitische Risiken reagiert.
Ein zentraler geopolitischer Faktor für den Ölmarkt bleibt die Straße von Hormus. Diese Meerenge zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Öltransport. Schätzungen zufolge passieren rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung diese Passage. Sollte die Route dauerhaft blockiert oder stärker gefährdet werden, könnten erhebliche Versorgungsengpässe entstehen. Besonders energieabhängige Volkswirtschaften wie China, Japan oder Südkorea wären davon stark betroffen. Die Märkte reagieren deshalb äußerst sensibel auf jede Meldung über mögliche Einschränkungen des Schiffsverkehrs.
Charttechnisch hat der Ölpreis zuletzt eine deutliche Trendwende vollzogen. Ein zuvor bestehender Abwärtstrendkanal wurde nach oben verlassen, während mehrere wichtige Widerstandsmarken überwunden wurden. Solche dynamischen Bewegungen gehen häufig mit kurzfristigen Übertreibungen einher. Technische Indikatoren deuten aktuell darauf hin, dass der Markt kurzfristig stark überkauft ist. Allerdings gilt auch: Sollte sich die geopolitische Lage weiter verschärfen, könnten noch deutlich höhere Ölpreise möglich sein. Wer sich tiefer mit den größten Förderländern und Ölkonzernen der Welt beschäftigen möchte, findet dazu eine ausführliche Analyse in meinem Überblick über die größten Erdölproduzenten und Ölunternehmen der Welt.
Auch der Volatilitätsindex VIX signalisiert zunehmende Unsicherheit. Der Index misst die erwartete Schwankungsbreite des US-Aktienmarktes und gilt als Angstbarometer der Börse. Mit einem Anstieg über 25 Punkte hat der VIX einen Bereich erreicht, der historisch mit steigender Nervosität der Marktteilnehmer verbunden ist. Steigt der Index sogar über 35 Punkte, kommt es häufig zu panikartigen Verkäufen an den Aktienmärkten. Gleichzeitig entstehen in solchen Phasen häufig auch attraktive Einstiegsmöglichkeiten für langfristige Anleger, wenn die Bewertungen deutlich zurückgehen.
Bemerkenswert ist, dass Gold derzeit nur begrenzt von der geopolitischen Unsicherheit profitiert. Traditionell gilt das Edelmetall als klassischer sicherer Hafen in Krisenzeiten. Aktuell zeigt sich jedoch eher eine Konsolidierungsphase.
Auch am Kryptomarkt zeigt sich bislang keine klare Fluchtbewegung in alternative Assets. Der Bitcoin notiert weiterhin unter wichtigen charttechnischen Widerständen. Besonders die Zone um 69.000 US-Dollar gilt als entscheidend. Solange diese Marke nicht nachhaltig zurückerobert wird, bleibt das technische Bild kurzfristig angespannt.
Zusätzlichen Druck auf die Märkte üben derzeit schwache Wirtschaftsdaten aus Deutschland aus.
Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist zuletzt deutlich stärker gefallen als erwartet. Mit einem Rückgang von über 11 Prozent auf Monatsbasis lag der Wert klar unter den Prognosen.
Besonders betroffen waren unter anderem:
die pharmazeutische Industrie
die Elektronik- und Computerbranche
Teile der Metallproduktion
Lediglich der Energiesektor konnte von den steigenden Ölpreisen profitieren.
Auch der deutsche Aktienindex DAX steht vor einer entscheidenden charttechnischen Situation. Der Index rutschte zeitweise unter wichtige Unterstützungszonen und testet aktuell zentrale Marken. Ob sich daraus eine größere Abwärtsbewegung entwickelt oder eine technische Gegenbewegung einsetzt, hängt stark von der weiteren geopolitischen Entwicklung ab. Auch ist auf das Dezembertief im DAX zu achten, welches aktuell getestet wird.