Fundamentalanalyse

Lektion 7 von 8

Die Gewinn- und Verlustrechnung verstehen

In dieser Lektion betrachten wir den letzten Teil des Jahresabschlusses, den Sie untersuchen sollten. Danach fassen wir alles zusammen und erklären, wie Sie die verschiedenen Teile Ihrer Analyse verbinden und sich entscheiden, was Sie handeln.

Die Gewinn- und Verlustrechnung bemisst die finanzielle Leistung des Unternehmens über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Sie basiert auf einer wesentlichen Bilanzgleichung:

Gewinn = Umsatz – Ausgaben

Im Grunde handelt es sich bei der Gewinn- und Verlustrechnung um eine Wertungsliste der Buchhaltung, welche die künftige Rentabilität des Geschäfts darstellt und dabei den Wert der erzielten Umsätze mit den Kosten für deren Herstellung vergleicht. Wenn der Abschluss eines Verkaufs mehr kostet als die damit verbundenen Einnahmen, ist das Geschäftsmodell fehlerhaft.

In der Gewinn- und Verlustrechnung könnten folgende Posten aufgeführt sein:

  • Umsatzerlöse: der Verkauf von Waren und Dienstleistungen an Kunden
  • Herstellungskosten: Kosten für die Herstellung der verkauften Leistungen. Bei einem Hersteller würde dieser Posten unter anderem die Gemeinkosten für Rohmaterialien, Arbeit und Fertigung umfassen
  • Bruttoergebnis: definiert als Gesamtumsatz abzüglich der Kosten für die verkauften Waren
  • Vertriebs-, allgemeine und Verwaltungskosten: die Betriebsausgaben des Unternehmens. Die Entwicklung dieser Kosten gibt Auskunft über die Effizienz des Management-Teams
  • Betriebsergebnis: die Erträge des Unternehmens vor Abzug des Zinsaufwands, der Steuern und Sonderposten
  • Zinsaufwand: verdeutlicht die Fremdmittel des Unternehmens
  • Ergebnis vor Steuern: Erträge vor Abzug der Einkommenssteuer. Dies ist ein guter Indikator bezüglich der Rentabilität
  • Einkommenssteuer: eine Schätzung der für den angegebenen Zeitraum erwarteten Einkommenssteuer
  • Ausserordentliche Aufwendungen: Abschreibungen vom Einkommen, z. B. durch Umstrukturierung oder aufgegebene Geschäftsbereiche
  • Nettoergebnis: der entscheidende Saldo, der die Rentabilität (oder Verluste) des Unternehmens darstellt

Abschluss Ihrer Analyse

Nachdem Sie alle Daten und Informationen rund um das Unternehmen studiert haben, ist es Zeit, alles zusammenzusetzen. Wie Sie sich erinnern, bestand das Ziel darin, den Wert des Unternehmens herauszufinden und zu beurteilen, ob es aktuell eher überbewertet oder unterbewertet ist.

Zu diesem Zeitpunkt müssten Sie sich bereits eine Meinung gebildet haben, ob das Unternehmen in Zukunft wächst oder nicht. Besitzt es verstecktes Potenzial oder liegen vor dem Unternehmen noch einige Fallgruben? Im Grunde versuchen Sie, sämtliche Faktoren aufzudecken, die die Zukunft des Unternehmens beeinflussen können und die bislang noch nicht vom Markt berücksichtigt wurden.

Diese Phase des analytischen Prozesses ist keine genaue Wissenschaft. Es geht vielmehr darum, sich einmal zurückzulehnen, alle Beweise als Ganzes zu betrachten und dabei möglichst objektiv zu sein.

Natürlich kann das „Bauchgefühl“ eine Rolle spielen, aber es ist dabei wichtig, zu bedenken, ob persönliche Vorurteile oder eine emotionale Verbundenheit Ihre Entscheidung beeinflussen. Beispielsweise jeder hat seine Lieblingsmarke, aber die Verbundenheit zu den Produkten eines bestimmten Unternehmens bedeutet nicht, dass deren Aktien eine gute Investition darstellen.

Weitere Informationen darüber, wie Sie Voreingenommenheit und andere emotionale Einflüsse verhindern können, finden Sie in unserem Kurs „Die Psychologie des Tradings“.

Aktien aussuchen

Im Laufe der Zeit werden Sie Ihre eigenen Methoden entwickeln, mit denen Sie aussuchen, was Sie handeln wollen. Die Meinungen darüber, welche Daten und Quoten die wichtigsten sind, gehen auseinander, aber manche werden generell als wichtig erachtet.

Wir haben beispielsweise in einer früheren Lektion den Verschuldungsgrad erwähnt. Ausserdem sollten Sie auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis achten; dieses berechnen Sie, indem Sie die Marktkapitalisierung durch die aktuellsten Umsatzzahlen teilen.

Da der Aktienkurs für die Fundamentalanalyse einen entscheidenden Faktor darstellt, nutzen viele Analysten Quoten, bei denen der aktuelle Kurs eine Rolle spielt. Bedenken Sie dabei stets, dass der Aktienkurs eines Unternehmens seiner Marktkapitalisierung dividiert durch die Anzahl der emittierten Aktien entspricht.

Ihrer Analyse folgen

Nachdem Sie sich für eine Aktie entschieden haben, die Ihres Erachtens nach Potenzial aufweist, bleibt nur noch zu entscheiden, wie sie damit handeln möchten. Dabei gibt es zwei Aspekte zu beachten:

Entscheiden Sie sich für Long oder Short (Kauf oder Verkauf)?
Beabsichtigen Sie einen kurzfristigen Trade oder eine langfristige Investition?

Bei der ersten Frage müssen Sie nur entscheiden, ob Sie davon ausgehen, dass der Aktienkurs steigt oder fällt. Die ist sowohl von Ihren eigenen Zielen abhängig – wollen Sie schnellen Gewinn oder langsames Wachstum mit Dividendenerträgen – und davon, welche Entwicklung Sie vom Unternehmen erwarten.

Übung

Angenommen, Sie beabsichtigen einen kurzfristigen Trade und keine langfristige Investition in Aktien. Sie haben Analysen zu zwei Unternehmen durchgeführt, die beide gut aufgestellt sind für künftiges Wachstum:
  • Unternehmen A hat in den letzten fünf Jahren beständig schrittweise seine Erträge gesteigert
  • Das Nettoergebnis von Unternehmen B wurde vor Kurzem durch ausserordentliche Aufwendungen geschmälert, wodurch sich viele Anleger für einen Verkauf entschieden haben, was wiederum den Aktienkurs beeinflusst hat
Welcher Aktienbestand passt am besten zu Ihren Zielen?
  • a Unternehmen A
  • b Unternehmen B
  • c A und B
  • d Keiner

Richtig

Falsch

Es ist davon auszugehen, dass sich der Kurs von Unternehmen B schnell wieder erholen wird, sodass diese Aktie vermutlich ideal für einen kurzfristigen Trade geeignet ist. Unternehmen A eignet sich dagegen eher für eine langfristige Investition, da es auf Dauer vermutlich stetiges und schrittweises Wachstum bietet.
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Zusammenfassung

  • Eine Gewinn- und Verlustrechnung ist eine Wertungsliste der Buchhaltung, welche die finanzielle Leistung des Unternehmens über einen bestimmten Zeitraum hinweg misst.
  • Sie basiert auf der Gleichung: Gewinn = Umsatz – Ausgaben.
  • Sie vergleicht den Wert der erzielten Umsätze mit den Kosten für deren Herstellung, sodass Sie damit die künftige Rentabilität des Unternehmens prognostizieren können.
  • Fassen Sie Ihre Fundamentalanalyse zusammen, indem Sie alle Informationen und Daten zusammentragen und das Gesamtbild betrachten.
  • Bilden Sie sich eine objektive Meinung dazu, ob der Aktienbestand Entwicklungspotenzial besitzt und sich für Ihr Trading lohnt.
Lektion abgeschlossen