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Wann ist ein Widerstand oder eine Unterstützung signifikant überwunden bzw. unterschritten?

Oft liest der Trader in Analysen, dass ein Kaufsignal erst dann generiert wird, wenn ein Widerstand oder eine Unterstützung signifikant über- bzw. unterschritten wird.

Aber wann gilt eine Chartmarke als signifikant oder nachhaltig gebrochen? Diese Frage soll in diesem Artikel beantwortet werden.

In der klassischen Chartanalyse gibt es zwei Verfahren, die hierfür angewendet werden. Es handelt es sich um die Zeit- und Preisregel.

Bei der Zeitregel sollte der Kurs des Basiswertes um eine bestimmte Anzahl an Tagen oberhalb eines Widerstands bzw. unterhalb einer Unterstützung liegen. Erst dann wäre ein Einstiegssignal bestätigt. Im folgenden Beispiel soll dies verdeutlicht werden.

Beispiel 1: E.on mit Fehlausbruch

E.on_080420

Quelle: ProRealTime

Im Tageschart ist die E.on-Aktie zu sehen. Infolge der Corona-Krise ging es für den DAX-Titel deutlich abwärts. Das Zwischentief im März 2020 wurde auf Schlusskursbasis unterschritten. Allerdings hatte sich dies sehr schnell als Fehlsignal herausgestellt. Nach nur einem Tag konnte das erwähnte Tief zurückgewonnen werden. Im weiteren Verlauf gelang den Anteilsscheine des heimischen Versorgers eine gelungene Gegenbewegung.

Im zweiten Chart sind die Anteilsscheine von Fresenius Medical Care (FMC) zu sehen. Am 20. Februar, kurz vor der Corona-Krise, hatte der DAX-Titel das aus dem Jahr 2019 stammende markante Hoch bei 76,68 EUR im Handelsverlauf deutlich übertroffen. Am Ende der Handelssitzung schmolz das Plus dahin. Bereits am Tag darauf ging es wieder unter das erwähnte Hoch. Es folgte eine über Wochen andauernde Durststrecke.

Beispiel 2: FMC-Aktionäre hatten sich zu früh gefreut

FMC_080420

Quelle: ProRealTime

Kommen wir nun zur Preisregel. Kurz zur Erinnerung. Ein signifikanter Trendbruch liegt vor, wenn der Widerstand bzw. die Unterstützung um einen vorher definierten absoluten oder relativen Betrag überwunden bzw. unterschritten wird. Oft wird dafür die Average True Range (ATR) genommen. Eine Long-Position könnte aufgebaut werden, wenn der aktuellen Schlusskurs plus beispielsweise Dreiviertel der momentanen ATR über dem Hoch des Widerstandsniveaus liegt. Bei einer Short-Position wird entsprechend umgekehrt verfahren. Die Periodenlänge der Average True Range kann vom Trader frei gewählt werden. Gleiches gilt für den Faktor k. Eine halbe ATR, oder auch eine Average True Range oder mehr ist möglich.

Am Beispiel des Silberpreises wurde der Widerstand, bei 15,89/15,87 USD, bestehend aus zwei markanten Hochs, Mitte Mai 2020 nachhaltig überwunden. Die ATR der vergangenen zehn Tage betrug zu diesem Zeitpunkt 0,44 USD und der Schlusskurs am 15. Mai 16,64 USD. Somit lässt sich der Bestätigungskurs wie folgt berechnen.

  • 16,64 USD > 15,89 USD + (0,75 x 0,44 USD)
  • 16,64 USD > 15,89 USD + 0,33 USD
  • 16,64 USD > 16,20 USD

Am darauf folgenden Montag konnte eine Long-Position zum Eröffnungskurs von 16,77 USD erworben werden. Ab Mitte Mai ging es für das Edelmetall kräftig gen Norden.

Beispiel 3: Silber nimmt Widerstand auf einem

Silber_080420

Quelle: ProRealTime

Ein weiteres Beispiel für die Preisregel ist die RWE-Aktie. Anfang März entstand eine Abwärtslücke. Der DAX-Titel versuchte Anfang Mai, diese zu schließen. In der Candlestick-Analyse wird das genannten Gap als Falling Window bezeichnet und stellt einen Widerstand dar. Wenngleich der Aktienkurs Anfang Mai oberhalb der oberen Begrenzung der Abwärtslücke bei 27,16 EUR schloss, ein signifikanter Sprung über den Widerstand lag bis dato nicht vor. Erst am 18. Mai wurde das Kaufkriterium erfüllt. An diesem Tag ging die RWE-Aktie mit 28,75 EUR aus dem Handel. Die Average True Range lag bei 1,00 EUR. Die Berechnung des Bestätigungskurses sah wie folgt aus.

  • 28,75 EUR > 27,16 EUR + (0,75 x 1,00 EUR)
  • 28,75 EUR > 27,16 EUR + 0,75 EUR
  • 28,75 EUR> 27,91 EUR

Auch in diesem Beispiel konnte zum Eröffnungskurs des darauf folgenden Tages bei 28,94 EUR eine Long-Position aufgebaut werden. Anschließend ging es für den Dax-Wert um mehr als 10% aufwärts.

Beispiel 4: Falling Window bereitet RWE kaum Probleme

RWE_080420

Quelle: ProRealTime

Schlussbetrachtung

Der Vorteil der Preis- und Zeitregel ist die mitunter deutliche Reduzierung von Fehlsignalen. Gänzlich vermeiden lassen sich diese jedoch nicht. Oft führt die Anwendung der genannten Bestätigungskriterien zu einem späteren und somit „teuren“ Einstieg, was gerne als Nachteil genannt wird. Dennoch lässt sich mit der Preis- und Zeitregel über einen längeren Beobachtungszeitraum nachweislich die Performance spürbar verbessern. Es gibt aber noch weitere Bestätigungskriterien, die auf gleitende Durchschnitte oder anderen Indikatoren beruhen. Diese werden in weiteren Artikeln vorgestellt.

Veröffentlicht am : 2020-08-04T13:19:00+0100


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