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Rohstoffe

Kakaopreis-Prognose: El Niño trifft auf Sommer-Schwäche

Der Kakaopreis springt von den Tiefs deutlich zurück. Doch unter der 200-Tage-EMA bleibt die Erholung ein Tauziehen zwischen El-Niño-Risiko und saisonalem Gegenwind.

Kakaopreis-Prognose: El Niño trifft auf Sommer-Schwäche Quelle: Bloomberg

Written by

Salah-Eddine Bouhmidi

Salah-Eddine Bouhmidi

Head of Markets bei IG Europe

Veröffentlicht am

Kakaopreis steigt wieder: El Niño bringt Rally zurück

Der Kakaopreis (New York) hat sich seit dem März-Tief deutlich erholt. Nachdem der Markt nach dem massiven Crash zeitweise nur noch um 3.100 US-Dollar je Tonne notierte, liegt Kakao aktuell wieder im Bereich von rund 4.100 US-Dollar je Tonne. Trotz dieser Erholung bleibt der Markt aber rund 59 % unter dem Vorjahresniveau – die Bewegung ist also weniger eine klassische Trendwende als vielmehr eine Neubewertung der Angebotsrisiken. 

Kurz erklärt

Der Kakaopreis steigt aktuell vor allem wegen El-Niño-Sorgen, Ernteunsicherheit in Westafrika und Short-Covering nach dem starken Absturz. Charttechnisch entscheidet nun die Zone um 3.850 bis 4.300 US-Dollar, ob daraus eine größere Erholung oder nur eine Gegenbewegung im Abwärtstrend wird.

 

Warum steigt der Kakaopreis wieder?

Der wichtigste bullishe Faktor ist das Wetter. Die WMO sieht für Juni bis August 2026 eine 80%ige Wahrscheinlichkeit für El Niño; die Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis bis mindestens November anhält, liegt nahe oder über 90 %. Für Kakao ist das relevant, weil El Niño in Teilen Westafrikas Hitze, Trockenstress und unregelmäßige Niederschläge auslösen kann. Genau dort liegen mit der Elfenbeinküste und Ghana die wichtigsten Anbaugebiete.

Hinzu kommt die Sorge um die nächste Ernte 2026/27. Reuters berichtet, dass in der Elfenbeinküste weniger Blüten und junge Schoten gezählt wurden, nachdem Trockenheit Schäden verursacht hatte. Der Regulator zeigt sich besonders wegen des Starts der nächsten Hauptsaison besorgt.

Auch die Angebotssteuerung der Elfenbeinküste stützt den Markt. Der weltweit größte Kakaoproduzent hat bereits rund 1 Mio. Tonnen für die Saison 2026/27 verkauft, bremst nun aber weitere Verkäufe wegen El-Niño-Risiken. Gleichzeitig wurde die Prämie auf neue Verkäufe auf mindestens 100 Pfund je Tonne über Futures angehoben. Das signalisiert: Produzenten rechnen möglicherweise mit besseren Preisen, wenn die Wetterrisiken zunehmen.

Dazu kommen strukturelle Risiken: alte Plantagen, Krankheiten wie Swollen-Shoot, hohe Düngerkosten und eine teils schwache Pflege der Bäume. Reuters verweist zudem darauf, dass viele Marktteilnehmer weniger El Niño selbst, sondern eher mangelnde Düngung und Plantagenpflege als größeres Risiko für 2026/27 sehen.

Kurzfristig dürfte auch Short-Covering eine Rolle spielen. Nach dem extremen Absturz war der Markt stark überverkauft. In einem vergleichsweise kleinen und volatilen Rohstoffmarkt wie Kakao können Eindeckungen von Short-Positionen schnelle Bewegungen nach oben verstärken.

Saisonalität: Sommer bleibt Gegenwind

Saisonalität: Sommer bleibt Gegenwind Quelle: Seasonax
Saisonalität: Sommer bleibt Gegenwind Quelle: Seasonax

Der saisonale 20-Jahres-Chart zeigt: Die Sommerphase ist für Kakao historisch nicht die stärkste Periode. Besonders von Juni bis August zeigt sich im Durchschnitt eher eine seitwärts bis schwächere Tendenz. Das passt zur aktuellen Lage: Fundamental gibt es bullishe Angebotsrisiken, saisonal bleibt aber Gegenwind vorhanden.

Für Trader bedeutet das: Die Rally ist nicht automatisch ein Selbstläufer. Solange der Markt keine klaren charttechnischen Bestätigungen liefert, bleibt die Erholung anfällig für Rücksetzer.

Chartanalyse: Absteigendes Dreieck im Fokus

Chartanalyse: Absteigendes Dreieck im Fokus Quelle: IG Handelsplattform
Chartanalyse: Absteigendes Dreieck im Fokus Quelle: IG Handelsplattform

Warum die aktuelle Formation im Kakaopreis so wichtig ist, zeigt das folgende Video: Das absteigende Dreieck erklärt, wie fallende Hochpunkte und eine horizontale Unterstützung zusammenspielen – und warum ein Ausbruch aus dieser Struktur häufig ein starkes Handelssignal liefert.

Charttechnisch bleibt das große Bild angeschlagen. Der Kakaopreis notiert weiter klar unter der fallenden 200-Tage-EMA im Bereich um rund 4.950 US-Dollar. Diese Durchschnittslinie wirkt von oben als Widerstand und zeigt, dass der übergeordnete Abwärtstrend noch nicht neutralisiert ist.

Kurzfristig ist die Lage spannender: Seit dem Mai-Hoch um rund 4.800 US-Dollar bilden sich fallende Hochpunkte, während die Zone um 3.850 bis 3.900 US-Dollar mehrfach verteidigt wurde. Daraus entsteht ein absteigendes Dreieck. Ein Bruch nach unten wäre bärisch, ein Ausbruch über die fallende Trendlinie und vor allem über 4.300 US-Dollar würde dagegen neues Erholungspotenzial freisetzen.

Der RSI hat sich aus dem neutralen Bereich nach oben gelöst, ist aber noch nicht überkauft. Das lässt kurzfristig Platz für weitere Zugewinne – allerdings nur, wenn der Ausbruch bestätigt wird

Long- und Short-Setups im Kakaopreis

Setup Trigger Zielzone Stopp
Antizyklischer Long Stabilisierung über 3.850–3.900 USD 4.150 / 4.300 USD unter 3.780 USD
Prozyklischer Long Tagesschluss über 4.300 USD 4.800 / 4.950 USD unter 4.050 USD
Breakout-Long Ausbruch über 4.800 USD 4.950 / 5.000+ USD unter 4.300 USD
Short-Setup Bruch unter 3.850 USD 3.500 / 3.300 / 2.950 USD über 4.050–4.150 USD
Trend-Short Scheitern an 4.300 USD 3.900 / 3.850 USD über 4.450 USD

Fazit: Kakao bleibt ein Wettermarkt

Der Kakaopreis ist zurück im Fokus. Die Rally seit März basiert vor allem auf El-Niño-Risiken, Ernteängsten, zurückhaltenden Verkäufen der Elfenbeinküste und Short-Covering. Gleichzeitig ist die aktuelle Saison nicht akut knapp: Die Elfenbeinküste erwartet 2025/26 sogar eine Produktion von 2,0 bis 2,1 Mio. Tonnen, was den bullischen Impuls begrenzt.

Kakao kann weiter stark steigen, wenn der Markt von „besserer Versorgung 2025/26“ auf „mögliche Knappheit 2026/27“ umpreist. Dafür braucht es aber eine Bestätigung im Chart. Oberhalb von 4.300 US-Dollar hellt sich das Bild deutlich auf. Unterhalb von 3.850 US-Dollar droht dagegen die Fortsetzung des übergeordneten Abwärtstrends.

Kakaopreis (New York): Kursentwicklung letzten fünf Jahre 

Kakaopreis - Entwicklung 5 Jahre Quelle: IG Handelsplattform
Kakaopreis - Entwicklung 5 Jahre Quelle: IG Handelsplattform

Important to know

Hinweis: Frühere Wertentwicklungen oder Simulationen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

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