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Rohstoffe

Europa Gaspreis explodiert: +50 % durch Nahost-Konflikt

Ein Produktionsstillstand für Flüssigerdgas in Katar verschärft die Lage am europäischen Gasmarkt massiv. Nach Angriffen auf Anlagen von QatarEnergy steigt der TTF-Gaspreis um rund 52 % – charttechnisch liegt ein dynamischer Ausbruch vor.

Europa Gaspreis explodiert: +50 % durch Nahost-Konflikt – Chart zeigt klaren Ausbruch Quelle: Bloomberg

Written by

Salah-Eddine Bouhmidi

Salah-Eddine Bouhmidi

Head of Markets du IG Deutschland

Veröffentlicht am

Wichtigste Punkte im Überblick

  • TTF-Gaspreis steigt um rund 44 % auf 45,32 €/MWh

  • LNG-Produktion in Katar nach Angriffen gestoppt

  • Bullische Flagge im 5-Minuten-Chart signalisiert mögliches Anschlussmomentum

Produktionsstopp in Katar treibt Gaspreise weiter an

Ein Produktionsstillstand für Flüssigerdgas (LNG) in Katar hat den europäischen Gaspreis am Montagmittag weiter nach oben katapultiert.

Bereits am Morgen hatten Sorgen vor Versorgungsengpässen im Zuge des Iran-Krieges sowie Einschränkungen des Schiffverkehrs in der Straße von Hormus – einem zentralen Nadelöhr für Öl- und Gastransporte – die Notierungen deutlich steigen lassen.

Am späten Mittag verschärfte sich die Lage weiter:
Wie die staatliche katarische Nachrichtenagentur Qatar News Agency auf X mitteilte, wurde die Produktion von Flüssigerdgas und verwandten Produkten nach einem Angriff auf Anlagen von QatarEnergy in der Industriezone Ras Laffan sowie im Industriegebiet Mesaieed eingestellt.

Damit wird aus geopolitischer Unsicherheit plötzlich ein reales Angebotsrisiko.

TTF-Gaspreis springt auf 48,20 Euro je MWh

An der Börse in Amsterdam reagierte der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung im Mai mit einem massiven Kurssprung.

Der Preis zog auf zuletzt 45,32 Euro je Megawattstunde (MWh) an – das entspricht einem Plus von rund 44 % gegenüber Freitag.

Zwischenzeitlich lagen die Kursgewinne sogar noch höher, womit sich eine massive geopolitische Risikoprämie im Markt aufgebaut hat.

Warum trifft das Europa besonders?

Europa ist stark auf LNG-Importe angewiesen. Katar gehört zu den weltweit wichtigsten Exportnationen von Flüssigerdgas. Eigentlich sollte Katar ab 2026 erhebliche Mengen Erdgas nach Deutschland liefern – auch wenn es zuletzt diplomatische und vertragliche Unstimmigkeiten gab. Hinzu kommt eine weitere Verwundbarkeit: Die deutschen Gasspeicher sind nach dem kalten Winter deutlich weniger gefüllt als im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt. Dadurch steigt die Sensitivität gegenüber externen Angebotsschocks zusätzlich. Hinzu kommt: Energiepreise wirken direkt inflationär. Steigende Gaspreise könnten damit erneut Druck auf Verbraucherpreise und geldpolitische Erwartungen ausüben.

Wichtig: Der globale Gasmarkt wird von wenigen großen Förderländern dominiert. Wer strukturell den Ton angibt, habe ich in meinem Beitrag zu den größten Erdgasproduzenten der Welt ausführlich analysiert. Dort wird deutlich, wie stark Angebot, geopolitische Macht und Preisbildung miteinander verflochten sind – ein Zusammenhang, der in der aktuellen Eskalation erneut sichtbar wird.

Europäischer Gaspreis mit massiver Risikoprämie

Die Lage im Nahen Osten sorgt an den Energiemärkten für deutliche Nervosität. Insbesondere der europäische Referenzpreis für Erdgas – die EU TTF Natural Gas – reagiert mit einem kräftigen Preissprung.

Nach Berichten über Angriffe auf Gasinfrastruktur und steigende geopolitische Spannungen preisen Marktteilnehmer eine deutlich höhere Angebotsunsicherheit ein. Europa bleibt trotz Diversifizierung weiterhin sensibel für globale LNG-Ströme. Fällt Angebot aus dem Nahen Osten teilweise weg oder verschieben sich Lieferströme, steigt automatisch der Wettbewerb um verfügbare Mengen.

Zeitweise kletterte der europäische Gaspreis um mehr als 52 % gegenüber dem Niveau vor der Eskalation. Aktuell liegt das Plus im Bereich von rund 45–50 %. Damit wird eine deutliche geopolitische Risikoprämie eingepreist.

 

Chartanalyse: Bullische Flagge nach explosivem Gap-up

Technisch zeigt sich die Eskalation deutlich im Intraday-Chart.

Bereits zur Eröffnung kam es zu einem massiven Gap-up. Der Markt sprang sofort:

  • über die Vortagesspanne

  • über die Vorwochen-Referenzen

  • über die Vormonatsspanne

Alle wichtigen Tagespreisreferenzen wurden dynamisch durchbrochen – ein klares Zeichen institutioneller Repositionierung.

Im europäischen Handel setzte sich die Bewegung zunächst fort. Gegen Mittag kam es nach den Meldungen aus Katar zu einer zweiten impulsiven Kaufwelle.

Aktuell konsolidiert der Markt auf hohem Niveau in Form einer bullischen Flagge.

Szenario 1 – Fortsetzung nach oben

Sollte der Gaspreis nachhaltig über 120 ausbrechen, würde die Flagge nach oben aufgelöst.

Auf Basis der Flaggenprojektion ergibt sich kurzfristig ein technisches Kursziel bei:

128,19

Ein solcher Ausbruch würde die geopolitische Risikoprämie weiter ausweiten und das Momentum erneut beschleunigen.

Szenario 2 – Rücklauf Richtung Gap

Sollte der Markt hingegen unter 108 zurückfallen und sich in Richtung des Eröffnungsgaps bewegen, wäre dies ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Überexpansion teilweise wieder abgebaut wird.

In diesem Fall könnte:

  • das Gap zumindest teilweise geschlossen werden

  • die Ausbruchsdynamik neutralisiert werden

  • eine kurzfristige Überhitzung korrigiert werden

Dieses Szenario hängt jedoch maßgeblich von der geopolitischen Nachrichtenlage ab. Entspannung würde Druck aus dem Markt nehmen, weitere Eskalation könnte die Flagge nach oben triggern.

Europäischer Gaspreis - 5 Min Chart 

Europäische Erdgaspreis stiegt um 50% Quelle: TradingView
Europäische Erdgaspreis stiegt um 50% Quelle: TradingView

Fazit: Energie wird wieder zum geopolitischen Faktor

Der europäische Gaspreis reagiert sensibel auf geopolitische Risiken – und genau diese nehmen aktuell zu. Die zeitweise über 50 %ige Kursbewegung zeigt, wie schnell sich Risikoprämien aufbauen können.

Charttechnisch ist der Ausbruch klar erkennbar. Fundamental bleibt die Lage fragil. Für Trader bedeutet das: erhöhte Volatilität, schnelle Bewegungen und klare technische Marken gewinnen an Bedeutung.

Morning Report

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