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FOREX

EUR/USD aktuell: Zinsen und Gas belasten den Euro

Ein wachsender US-Renditevorsprung und steigende Gaspreise setzen den Euro unter Druck. Zwei Bodenbildungsversuche brachten keine nachhaltige Trendwende. Die COT-Daten liefern allerdings ein positives Gegensignal.

EUR/USD aktuell: Zinsen und Gas belasten den Euro Quelle: Adobe

Written by

Salah-Eddine Bouhmidi

Salah-Eddine Bouhmidi

Head of Markets bei IG Europe

Veröffentlicht am

Der Euro-US-Dollar-Kurs findet nach den jüngsten Verlusten vorerst Halt. Am Montag, 19. Oktober, notiert die IG-Indikation gegen 15:12 Uhr bei rund 1,1226 US-Dollar. Damit bewegt sich EUR/USD weiterhin innerhalb seiner jüngsten Konsolidierung auf niedrigem Niveau. Am Freitag hatte das Währungspaar bei 1,1253 geschlossen – rund 4,2 Prozent unter dem Jahresschluss 2025.

Warum steht der Euro unter Druck?

Zwei Faktoren, die den Euro 2025 unterstützten, wirken inzwischen gegen ihn: der Renditeabstand zu den USA und der europäische Gaspreis.

2025 schrumpfte der Renditevorsprung zweijähriger US-Staatsanleihen gegenüber entsprechenden Bundesanleihen um rund 81 Basispunkte. Gleichzeitig fiel der europäische Gaspreis TTF um 41,5 Prozent. EUR/USD legte im selben Jahr um 13,4 Prozent zu.

2026 drehte zunächst der Gaspreis. Zwischen dem Schlusskurshoch von 1,1952 am 27. Januar und dem 7. April verteuerte sich TTF um 32 Prozent. Der Euro verlor in diesem Zeitraum 3,2 Prozent, obwohl sich der US-Renditevorsprung nochmals um 35 Basispunkte verringerte.

Seit April belastet auch der Renditeabstand: Der US-Vorsprung stieg von 108 auf zuletzt 169 Basispunkte. Am 5. Oktober erreichte er zwischenzeitlich 179 Basispunkte. Die Korrelation der täglichen EUR/USD- und Spread-Niveaus beträgt seit April in der Auswertung −0,86. Ein größerer US-Renditevorsprung ging somit überwiegend mit einem schwächeren Euro einher. Das beschreibt einen statistischen Zusammenhang, keinen isolierten Kausalnachweis.

Gaspreis mehr als verdreifacht: Zusätzlicher Gegenwind für Europa

TTF verteuerte sich gegenüber dem Jahreswechsel von 28,30 auf 87,72 Euro je Megawattstunde. Damit hat sich der Preis mehr als verdreifacht und erreicht den höchsten Stand seit Dezember 2022.

Für die Eurozone verteuert das die Energieimporte und belastet die Kaufkraft. Die EZB beschreibt diesen Mechanismus als Verschlechterung der Austauschverhältnisse zwischen Importen und Exporten. Ein anhaltend hoher Energiepreis kann damit zusätzlichen Gegenwind für die europäische Wirtschaft erzeugen.

EUR/USD: Aus Rückenwind wird Gegenwind – Zinsabstand und Gaspreis im Vergleich

EUR/USD: Aus Rückenwind wird Gegenwind – Zinsabstand und Gaspreis im Vergleich Quelle: IG
EUR/USD: Aus Rückenwind wird Gegenwind – Zinsabstand und Gaspreis im Vergleich Quelle: IG

EUR/USD-Chartanalyse: Zwei Doppelböden ohne nachhaltige Trendwende

Der Tageschart zeigt zwei markante Bodenbildungsversuche. Der Doppelboden im März leitete zunächst eine Erholung bis in den Bereich von 1,17 bis 1,18 US-Dollar ein. Ein dauerhafter Aufwärtstrend entstand daraus jedoch nicht. Anschließend fiel EUR/USD erneut in Richtung 1,13.

Auch die Bodenbildung im Juli brachte nur vorübergehende Entlastung. Die Erholung erreichte im August rund 1,17 US-Dollar, bevor der Verkaufsdruck im September wieder zunahm. Beide Formationen lösten somit Erholungen aus, konnten die übergeordnete Abwärtstendenz aber nicht dauerhaft überwinden.

Aktuell konsolidiert EUR/USD ungefähr zwischen 1,1110 und 1,1280/1,1300 US-Dollar. Der fallende 100-Tage-EMA bei rund 1,1450 verläuft deutlich darüber und bildet einen wichtigen mittelfristigen Widerstand.

Der RSI mit 34 Perioden fiel im Oktober zeitweise in Richtung 30 und bleibt unter der hier verwendeten Signalschwelle von 48,5. Eine nachhaltige Rückkehr darüber würde eine Verbesserung des Momentums anzeigen. Zusammen mit einem Ausbruch über 1,1280/1,1300 könnte dies eine Erholung in Richtung 1,1350 und 1,1450 unterstützen.

EUR/USD im Tageschart: Gescheiterte Trendwenden und Konsolidierung unter dem 100-Tage-EMA

EUR/USD im Tageschart: Gescheiterte Trendwenden und Konsolidierung unter dem 100-Tage-EMA Quelle: IG
EUR/USD im Tageschart: Gescheiterte Trendwenden und Konsolidierung unter dem 100-Tage-EMA Quelle: IG

COT-Report: Ein positives Kontrasignal für den Euro

Ein Gegengewicht zur schwachen Charttechnik liefert die Positionierung. Der kombinierte CFTC-Bericht für Futures und Optionen zum 13. Oktober weist bei den Commercials einen Netto-Long-Bestand von 135.961 Kontrakten aus. Die großen Spekulanten beziehungsweise Non-Commercials halten dagegen netto 162.986 Kontrakte short.

In der dreijährigen Auswertung nach dem Larry-Williams-Ansatz erreicht der Commercial-Index 100, während der Spekulanten-Index bei 0 liegt. Die Positionierung befindet sich damit an entgegengesetzten Extremen der betrachteten Spanne. Das lässt sich als bullisches Kontrasignal interpretieren.

Eine Trendwende ist dadurch noch nicht bestätigt. Commercials verfolgen auch Absicherungszwecke, und extreme Positionierungen können länger bestehen bleiben. Steigende Kurse könnten allerdings Rückkäufe bestehender Short-Positionen auslösen und eine Erholung verstärken. Die Indexwerte sind keine Erfolgswahrscheinlichkeiten.

Euro im COT-Report: Commercials mit bullischem Positionierungsextrem

Euro im COT-Report: Commercials mit bullischem Positionierungsextrem Quelle: IG
Euro im COT-Report: Commercials mit bullischem Positionierungsextrem Quelle: IG

EUR/USD-Ausblick: Kurz- und mittelfristige Short-Setups

Solange die obere Begrenzung der Konsolidierung und der fallende 100-Tage-EMA nicht nachhaltig zurückgewonnen werden, bleiben folgende bedingte Short-Szenarien relevant:

Szenario Voraussetzung Mögliche Ziele Szenario hinfällig bei
Kurzfristig: Erholung scheitert Erkennbare Ablehnung bei 1,1280–1,1300, anschließend erneute Schwäche 1,1200, danach 1,1120 Nachhaltigem Ausbruch über 1,1300
Kurzfristig: Ausbruch nach unten Tagesschluss unter 1,1110/1,1100, anschließend erfolgloser Rücklauf an die gebrochene Unterstützung 1,1000 Nachhaltiger Rückkehr in die bisherige Handelsspanne
Mittelfristig: Rücklauf zum EMA scheitert Erholung bis 1,1400–1,1450, dort erneutes Verkaufssignal 1,1300, 1,1120, bei weiterem Bruch 1,1000 Nachhaltiger Rückeroberung des 100-Tage-EMA und der Zone um 1,1450

Das COT-Extrem erhöht zugleich das Risiko einer kräftigen Gegenbewegung. Für neue Short-Szenarien kommt deshalb der Bestätigung durch den Kursverlauf besondere Bedeutung zu. Ein Ausbruch über 1,1300 mit einem RSI oberhalb von 48,5 würde zunächst das Erholungsszenario stärken.

EUR/USD: Kursentwicklung der vergangenen fünf Jahre 

EUR/USD: Entwicklung fünf Jahre Quelle: IG
EUR/USD: Entwicklung fünf Jahre Quelle: IG

Important to know

Hinweis: Frühere Wertentwicklungen oder Simulationen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

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