Orders, Ausführung und Hebelwirkung

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Wie werden Preise für Orders ermittelt?

Für an der Börse gehandelte Vermögenswerte (z. B. Aktien), hat Ihr Broker Zugang zum Orderbuch der jeweiligen Börse, d. h. zur Liste der Käufer und Verkäufer, die derzeit Orders erteilen.

Im Orderbuch sind Preis und Volumen jeder Order ausgewiesen, sodass leicht ersichtlich ist, an welcher Stelle Ihre Order platziert werden sollte.

Neben den Primärbörsen, wie der XETRA oder der New York Stock Exchange, gibt es eine Reihe von multilateralen Handelssystemen (MTFs), die Orders annehmen und Kurse bestimmter Aktien notieren. Sie bieten häufig bessere Preise als die Primärbörsen, obwohl nicht alle Broker Zugang zu ihnen haben.

Die von den Primärbörsen und den MTFs angebotenen Preise sind öffentlich zugänglich und die Aufstellungen werden als offene Orderbücher bezeichnet. Allerdings können auch Kurse gehandelt werden, die in den Dark Liuquidity Pools versteckt sind, sofern Ihr Broker darauf zugreifen kann. Marktteilnehmer an solchen Dark Pools sind im Allgemeinen institutionelle Anleger, die Preis, Volumen und Herkunft ihrer Orders nicht offenlegen wollen.

Für Freiverkehrsmärkte (OTC-Märkte) wie den Devisenmarkt werden die Preise vom Netzwerk der globalen Banken und Liquiditätsanbietern bezogen, die am Markt aktiv sind.

Slippage

Ein weiteres Problem mit möglicher Auswirkung auf den Preis, bei dem Ihre Order ausgeführt wird, ist ein Effekt, der als Slippage (d. h. Schlupf oder Schwund) bezeichnet wird.

Preise können sich innerhalb von Millisekunden ändern und nach Ablauf der kurzen Zeitspanne vom Erteilen der Order per Mausklick bis zum Eingang bei Ihrem Broker kann der gewünschte Preis u. U. bereits nicht mehr verfügbar sein.

Wenn Sie eine Market Order erteilt haben, wird diese zum besten Preis ausgeführt, den Ihr Broker erzielen kann. Dieser kann bei einem volatilen und schnellen Markt erheblich unter dem von Ihnen erwarteten Preis liegen, z. B. wegen einer alarmierenden Pressemeldung oder eines unerwartet enttäuschenden Jahresberichts eines Grossunternehmens.

Sie bemerken die Slippage-Auswirkungen höchstwahrscheinlich, wenn Sie bei einer nachteiligen Marktbewegung eine Stop-Loss-Order zum Schliessen einer Position hinterlegt haben. Gelegentlich können sich Preise so schnell ändern, dass es unmöglich ist, Ihre Position an der Marke zu schliessen, an der Sie Ihren Stop gesetzt haben.

Beispiel

Angenommen, Sie gehen eine Long-Position in den Dow Jones Industrial Average-Index bei 17.838 mit einem Stop bei 17.699 ein.

Einige einflussreiche Wall Street-Unternehmen melden unerwartet schlechte Erträge. Dies bewirkt einen Absturz auch anderer Dow Jones-Aktien, und der Index fällt bis unter Ihre gesetzte Stop-Marke. Sobald der Kurs Ihre Stop-Marke erreicht, wird die Stop Order ausgelöst. 

In der folgenden Tabelle wird veranschaulicht, wie sich der von Ihrem Broker notierte Kurs in den Augenblicken vor und nach Erreichen Ihrer Stop-Marke bewegt:

Es ist ersichtlich, dass der Ankaufskurs Ihr gewähltes Stop-Niveau von 17.699 um 21:10:33 Uhr (blau dargestellt) erreicht. Zu diesem Zeitpunkt wird Ihre Stop Order ausgelöst, sie wird jedoch zum nächsten verfügbaren Kurs von 17.695 um 21:10:36 Uhr (grün dargestellt) ausgeführt. Das heisst, Sie haben vier Punkte an den Slippage-Effekt abgegeben, vor dem weiteren Kursverfall sind Sie jedoch geschützt.

Garantierte Stopp-Loss-Orders (GSLO)

Sollten Sie wegen des Slippage-Risikos besorgt sein, können Sie sich dagegen schützen: Sie können eine garantierte Stop-Loss-Order einsetzen.

Eine garantierte Stopp-Loss-Order (GSLO) funktioniert wie eine normale Stopp-Loss-Order. Sie wird jedoch stets genau bei dem von Ihnen vorgegebenen Kursniveau ausgeführt. Im Endeffekt übernimmt der Broker bzw. Provider das Slippage-Risiko für Sie. Natürlich wird für diese zusätzliche Leistung eine Gebühr berechnet und dies kann in Form eines breiteren Spread erfolgen.

Durch das Platzieren einer garantierten Stop-Loss-Order legen Sie eine absolute Begrenzung Ihres potenziellen Verlusts fest und dies kann beruhigend sein, wenn Sie auf volatilen Märkten oder in grossem Umfang handeln.

Zusammenfassung

  • Für an der Börse gehandelte Vermögenswerte werden Preise aus einem Orderbuch ermittelt.
  • Für Freiverkehrsmärkte (OTC-Märkte) werden die Preise von den am Markt aktiven Anbietern bezogen.
  • Der Slippage-Effekt tritt auf, wenn sich Märkte rasch bewegen und der gewünschte Preis bei Ausführung der Order nicht verfügbar ist.
  • Sie können mit einer garantierten Stop-Loss-Order eine absolute Begrenzung Ihrer Verluste festlegen, hierfür wird jedoch eine Gebühr in Rechnung gestellt.
Lektion abgeschlossen