Vorstellen der Finanzmarkte

Lektion 9 von 10

Was sind Rohstoffe?

Rohstoffe sind Sachwerte. Im Gegensatz zu Aktien, Indizes oder Währungen handelt es sich um Rohmaterialien, die im Bergbau abgebaut, in der Landwirtschaft erzeugt oder aus dem Boden gewonnen werden. Beispiele: 

Für die amtliche Zulassung zum Handel muss ein Rohstoff vollständig gegen einen anderen Rohstoff derselben Art austauschbar sein, unabhängig davon, wo dieser gewonnen, abgebaut oder erzeugt wurde. 

Für einen Rohstoffhändler ist zum Beispiel Gold gleich Gold. Es macht keinen Unterschied, wo es abgebaut wurde. Eine in Australien abgebaute Unze Gold hat exakt denselben Wert wie eine Unze in China, den USA oder Tansania abgebautes Gold.

Dasselbe gilt auch für andere Rohstoffe wie Erdgas, Baumwolle und Kupfer. Voraussetzung ist lediglich, dass diese bestimmte Mindestqualitäts- oder -reinheitsstandards erfüllen. 

Ökonomen bezeichnen dies als fungibel. Dies bedeutet, dass große Mengen von Rohstoffen relativ schnell und einfach an einer Börse gehandelt werden können. Das liegt daran, dass sich jeder Händler darauf verlassen kann, dass er gleichwertige Anlagegegenstände kauft/verkauft, ohne diese erst prüfen oder sich informieren zu müssen, woher sie stammen. 

Übung

Welche der Folgenden sind Rohstoffe? Sie können mehrere Antworten auswählen:
  • Hafer
  • Zinn
  • Kunststoff
  • Zucker

Richtig

Falsch

Hafer, Zinn und Zucker sind jeweils fungible Rohstoffe, Kunststoff hingegen nicht. Es gibt hunderte verschiedene Arten von Kunststoffen, die alle nach unterschiedlichen Spezifikationen hergestellt werden.
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Arten von Rohstoffen

Rohstoffe werden oft in zwei Gruppen unterteilt:

Agrarrohstoffe

Hierbei handelt es sich um Rohstoffe, die in der Landwirtschaft erzeugt werden. Sie werden eher angebaut als abgebaut oder gefördert. Agrarrohstoffe neigen dazu, kurzfristig sehr volatil zu sein, weil sie empfindlich für die saisonalen Anbauzyklen, Witterungsbedingungen und Ernteschäden sind, die sich plötzlich und drastisch auf die Kurse auswirken können. 

Nicht-landwirtschaftliche Rohstoffe

Diese Rohstoffe werden in der Regel aus der Erde abgebaut oder aus anderen natürlichen Ressourcen gewonnen. Nicht-landwirtschaftliche Rohstoffe sind normalerweise einfacher zu handhaben und zu transportieren als Agrarrohstoffe und lassen sich leichter in den Industrieprozess integrieren.

Es gibt auch Rohstoffklassifikationen nach ihrem jeweiligen Umweltsektor:

  • Energie (Öl und Gas)
  • Metalle (Gold, Silber, Kupfer, Blei usw.)
  • Agrarrohstoffe (Weizen, Kaffee, Vieh usw.)

Übung

Ist der folgende Rohstoff ein Agrarrohstoff oder ein nicht-landwirtschaftlicher Rohstoff?

Orangensaft
  • a Nicht-landwirtschaftlich
  • b Agrarrohstoff

Richtig

Falsch

Orangensaft ist ein Agrarrohstoff.
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Übung

Ist der folgende Rohstoff ein Agrarrohstoff oder ein nicht-landwirtschaftlicher Rohstoff?

Brent-Rohöl
  • a Nicht-landwirtschaftlich
  • b Agrarrohstoff

Richtig

Falsch

Brent-Rohöl ist ein nicht-landwirtschaftlicher Rohstoff.
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Übung

Ist der folgende Rohstoff ein Agrarrohstoff oder ein nicht-landwirtschaftlicher Rohstoff?

Palladium
  • a Nicht-landwirtschaftlich
  • b Agrarrohstoff

Richtig

Falsch

Palladium ist ein nicht-landwirtschaftlicher Rohstoff.
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Übung

Ist der folgende Rohstoff ein Agrarrohstoff oder ein nicht-landwirtschaftlicher Rohstoff?

Sojabohnen
  • a Nicht-landwirtschaftlich
  • b Agrarrohstoff

Richtig

Falsch

Sojabohnen sind ein Agrarrohstoff.
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Wie werden Rohstoffe gehandelt?

Für den Rohstoffhandel gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:

Den Spotmarkt

Auf dem Spotmarkt (auch als Kassa-Markt bezeichnet) werden finanzielle Vermögenswerte gegen Bargeld verkauft und direkt an Ort und Stelle ausgetauscht. Wenn Sie also die sofortige Lieferung eines Rohstoffs benötigen, gehen Sie auf den Spotmarkt.

Nehmen wir zum Beispiel an, Sie betreiben ein Unternehmen, das Industrierohre herstellt. Sie haben kürzlich einen Auftrag für eine große Menge Kupferrohre bekommen, aber Sie haben kein Kupfer mehr auf Lager. Sie brauchen das Kupfer sofort. Also gehen Sie am besten auf den Spotmarkt und kaufen dort Kupfer ein. 

Oder nehmen wir an, Sie sind Besitzer eines Bergbauunternehmens und haben etwas Kupfer, das Sie sofort veräußern möchten. Dann gehen Sie auf den Spotmarkt und versuchen es dort zu verkaufen. 

Wegen der großen Mengen von Rohstoffen, die gehandelt werden – und der globalen Charakteristik dieser Handelsgeschäfte – verwendet der Spotmarkt festgelegte Standards, damit die Händler Rohstoffe schnell kaufen und verkaufen können, ohne diese erst in Augenschein nehmen zu müssen. 

Den Futures-Markt

Auf dem Futures-Markt vereinbaren Käufer und Verkäufer den Austausch einer bestimmten Menge von einem Vermögenswert für ein festes Datum in der Zukunft und zu einem bereits heute vereinbarten Preis. 

Die fraglichen Anlagegegenstände werden nicht physisch an der Börse gehandelt. Stattdessen kaufen und verkaufen die Teilnehmer Futures-Kontrakte. Hierdurch können die Händler auf den Preis der Rohstoffe spekulieren, ohne diese überhaupt zu irgendeinem Zeitpunkt besitzen zu müssen – denn die Verträge (Kontrakte) können vor dem tatsächlichen Liefertermin verkauft oder geschlossen werden. 

Dies ist besonders nützlich, wenn Sie beispielsweise den Preis für Rindvieh bereits fest aushandeln möchten, wenn Sie aber nicht möchten, dass ein paar Monate später Herden von lebendigen Kühen an Ihrer Haustür abgeliefert werden ... 

Futures-Kontrakte werden oft von Einzelpersonen und Unternehmen genutzt, die daran interessiert sind, die physischen Rohstoffe zu einem späteren Termin auszutauschen. Aber vorwiegend werden diese Kontrakte zu Spekulations- und Absicherungszwecken (Hedging) genutzt. 

Wichtig ist also, daran zu denken, dass die Kurse für Futures-Kontrakte tendenziell von den Preisen für den Kauf oder Verkauf einer identischen Menge desselben Rohstoffs auf dem Spotmarkt abweichen. Das liegt daran, dass der Verkäufer die künftigen Risiken und Kosten einpreisen muss, zum Beispiel die Kosten für die Aufbewahrung des Rohstoffes und für den Transport zum Käufer. Folglich werden Futures-Kontrakte eher nach den Kursen für Termingeschäfte bewertet als nach den Preisen auf dem Spotmarkt. 

Wer handelt mit Rohstoff-Futures?

Es gibt vier Haupttypen von Rohstoff-Futureshändlern.

Erzeuger

Dies sind Unternehmen oder Einzelpersonen, die Rohstoffe erzeugen oder abbauen und einen Futures-Kontrakt abschließen, um sich das Risiko künftiger Preisbewegungen abzusichern. Sind Sie zum Beispiel Kaffeepflanzer und vereinbaren den Verkauf Ihrer Ernte zu einem bestimmten Preis zu einem bestimmten Termin, so haben Sie an dem betreffenden Tag ein garantiertes Einkommen, selbst wenn die Kaffeepreise in der Zwischenzeit abstürzen. 

Spekulanten

Dies sind Händler, die ausschließlich Gewinne durch die Bewegungen der Rohstoffkurse erzielen wollen. In der Regel haben sie kein Interesse am Besitz des physischen Rohstoffs an sich. 

Hedger

Hierbei handelt es sich um mittel- oder langfristige Anleger, die Rohstoffe in ihrem Portfolio halten, um sich gegen Kursstürze bei anderen Wertpapieren abzusichern. Rohstoffkurse bewegen sich tendenziell in entgegengesetzter Richtung (oder zumindest in einer nicht parallelen Richtung) zu den Kursen bestimmter Aktien und Anleihen. 
Bei einem Crash des Aktienmarkts beispielsweise sind Anleger, die Rohstoffe halten, möglicherweise weniger stark betroffen als Anleger, die nur Aktien in ihrem Portfolio halten. Insbesondere Gold gilt als „sicherer Hafen“ und zieht erhebliche Investitionen an, wenn die Aktienmärkte instabil sind. 

Broker

Dies sind Firmen oder Einzelpersonen, die Rohstoffkontrakte für ihre Kunden an- und verkaufen.

Zusammenfassung dieser Lektion

  • Rohstoffe sind Sachwerte, die im Bergbau abgebaut, in der Landwirtschaft erzeugt oder aus dem Boden gewonnen werden.
  • Es wird zwischen Agrarrohstoffen und nicht-landwirtschaftlichen Rohstoffen (Energie und Metalle) unterschieden.
  • Rohstoffe werden entweder auf dem Spotmarkt oder auf dem Futures-Markt gehandelt.
  • Auf dem Spotmarkt kommen in der Regel Käufer und Verkäufer zum Austausch des physischen Rohstoffs zusammen, während der Futures-Markt vorwiegend von Spekulanten und Hedgern bestimmt wird. 
Lektion abgeschlossen